Diversität
Niemanden stigmatisieren, alle fördern
Veröffentlicht am:27.01.2025
5 Minuten Lesedauer
Der Zusammenhang zwischen geringem Einkommen und Gesundheit wird zunehmend sichtbar, insbesondere in sozial benachteiligten Gruppen. Darum setzt die AOK Baden-Württemberg auf die Förderung der Gesundheitskompetenz in Unternehmen. Programme wie die Gesundheitsscouts helfen, das Wissen der Mitarbeitenden zu erweitern und gesundheitliche Risiken zu reduzieren. Dies fördert das Wohlbefinden der Belegschaft und trägt zur Verringerung von Fehltagen bei.

© Conny Marshaus / GettyImages
Gesundheitskompetenz fördern: Ein Schlüssel zur Veränderung
Wofür jemand sein Geld ausgibt, geht niemanden etwas an. Auch nicht, ob der private Etat umgeschichtet werden muss, um über die Runden zu kommen. Doch finanziell herausfordernde Lebenssituationen wirken sich auf die Gesundheit und somit auf Fehlzeiten in den Unternehmen aus. „In der Covid-19-Pandemie zeigte sich besonders deutlich, dass soziale und gesundheitliche Benachteiligung eng miteinander verbunden sind“, berichtet Christian Konrad, Experte für Betriebliches Gesundheitsmanagement bei der AOK Baden-Württemberg. „Das Risiko einer Infektion war in den sogenannten ,unteren Statusgruppen‘ auffallend hoch.“
Höhere Inflation verschärft diese Situation weiter. Wo also ansetzen, um die gesundheitliche Situation dieser Beschäftigten zu verbessern – ohne sie bloßzustellen oder ihr Schamgefühl zu verletzen? Ein Schlüssel sei mehr Gesundheitskompetenz, betont Christian Konrad. Studien zufolge besitzt weit über die Hälfte der Menschen in Deutschland nur eine eingeschränkte Gesundheitskompetenz. Informationen lesen, verstehen und für die eigene Gesundheit oder die der Familie nutzen, ist dann kaum möglich. Hilfs- oder Präventionsangebote werden nicht oder nur wenig genutzt.
Wie viele Menschen nahmen ihre Gesundheitskompetenz vor der Pandemie als unzureichend wahr, wie viele danach?

© AOK
Kreative Lösungen zur Gesundheitsförderung im Unternehmen
Da Gesundheitskompetenz zuerst in den Elternhäusern weitergegeben wird, ist mehr Wissen bei den jetzigen Erwachsenen unabdingbar. So kann die Gesundheitskompetenz der jüngeren Generation gleich mit gefördert werden. „Mehr als die Hälfte der Bevölkerung“ bedeutet jedoch, dass sich die Defizite quer durch die Bevölkerung ziehen. Somit kann das es auch Menschen betreffen, die finanziell gut aufgestellt sind.
Gesundheitskompetenz im Unternehmen generell zu fördern, kommt also allen zugute. Niemand wird stigmatisiert. Daraus lässt sich jedoch nicht folgern, dass „Maßnahmen für alle“ genügen, um den Zusammenhang von Armut und Gesundheit zu verändern. Studien belegen nämlich, dass ein Gießkannenprinzip die gesundheitliche Ungleichheit noch verstärken kann. Die sogenannten unteren Statusgruppen haben einfach mehr Nachholbedarf und benötigen darum gezielt zusätzliche Förderung. Dabei ist Kreativität gefragt.
Gesundheitsscouts – aktiv intern unterwegs
Gesundheitsförderliche Maßnahmen lassen sich zum Beispiel mit Angeboten für wirtschaftliches Haushalten verknüpfen. Ein Beispiel dafür ist „Günstig und gut essen“, ein kostenloser Kurs der AOK-Ernährungswerkstatt.
Viele weitere Ideen können direkt aus der Belegschaft kommen, zum Beispiel über Gesundheitsscouts. Das ist ein neues Fortbildungsangebot der AOK Baden-Württemberg: Mitarbeitende, die aus verschiedenen Bereichen eines Unternehmens kommen, haben besondere Zugänge zu den unterschiedlichen Gruppen der Belegschaft. Durch die spezielle Fortbildung vergrößern Gesundheitsscouts zunächst ihre persönliche Gesundheitskompetenz. Anschließend geben sie dieses Wissen vielfältig an Kolleginnen und Kollegen weiter, regen Maßnahmen an und erfahren, wo bestimmte Angebote benötigt werden.
Infos zu Gesundheitsscouts
- Speziell geschulte Mitarbeitende in Unternehmen, Schnittstelle zwischen der gesamten Belegschaft und dem Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM).
- Können allen Mitarbeitenden in Workshops und zwischendurch Tipps und Ideen zu Themen wie Ergonomie, aktive Regenerationspausen, Entspannung und gesunder bzw. bewusster Ernährung anbieten und kleinere Angebote auch selbst umsetzen.
- Wissen und Aktivität rund um Gesundheit gelangen so auf kurzem Wege in alle Unternehmensbereiche.
- Sie haben Mitarbeitende, die sich für die Fortbildung zum Gesundheitsscout interessieren? Nehmen Sie Kontakt mit uns auf.
Nachhaltig für unternehmerischen Erfolg
Obst, Gemüse, Brot: Niemand weiß, wie teuer alles noch wird. Leidet die Gesundheit der Menschen darunter, weil ihnen das Wissen fehlt, wie sie mit finanziell herausfordernden Lebenssituationen umgehen sollen, verstärkt sich eine gesellschaftlich und wirtschaftlich höchst relevante Negativspirale. Dem kann wirksam begegnet werden, zum Beispiel mit Förderung von Gesundheitskompetenz innerhalb der Belegschaft. Auch das gehört unmittelbar zu nachhaltigem Wirtschaften, das mehr Gesundheit und Wohlbefinden für alle ermöglichen kann.
Weiterführende Informationen
Die WIN-Charta Baden-Württemberg ist ein Managementsystem für nachhaltiges Wirtschaften, zu dem auch soziale Verantwortung gehört.
Die AOK Baden-Württemberg gehört zu den Unterzeichnern, die Charta ist offen für weitere Mitglieder. Mehr Infos.Die Thematik gehört auch zu den 17 Zielen der Vereinten Nationen.
BGM im Unternehmen
Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) vereint verpflichtende und freiwillige Gesundheitsaspekte am Arbeitsplatz. Die Fachleute der AOK Baden-Württemberg beraten Sie gern.Seminar „Psychische Gesundheit“
Das Seminar „Psychische Gesundheit“ unterstützt Führungskräfte dabei, sich selbst, ihre Unternehmen und ihre Mitarbeitenden gesund zu führen.Nachhaltige Gesundheit
Als Gesundheitskasse fördert die AOK nachhaltige Gesundheit – in Unternehmen und der Gesellschaft weltweit.