Psychische Gesundheit
Hilfe, bitte
Veröffentlicht am:30.01.2025
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Psychische Belastungen gehören zum Arbeitsalltag – von hohem Zeitdruck bis zur ständigen Erreichbarkeit. Doch wenn die Beanspruchung die Bewältigungsfähigkeit übersteigt, drohen seelische und körperliche Folgen. Psychische Erkrankungen sind mittlerweile eine der häufigsten Krankheitsursachen mit langen Ausfallzeiten. Wir beleuchten, wie Belastung und Beanspruchung definiert sind, welche Faktoren eine Rolle spielen und welche Maßnahmen Arbeitgeber und Beschäftigte ergreifen können, um seelische Gesundheit zu fördern.

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Belastung oder Beanspruchung?
Emotionale und seelische Nöte am Arbeitsplatz: Was tun, wenn Mitarbeitende ,,auffällig" werden? Die Europäische Norm EN ISO 10075-1 „Ergonomische Grundlagen bezüglich psychischer Arbeitsbelastung" definiert den Sachverhalt genau. Demnach sind psychische Belastungen alle Einflüsse, die von außen psychisch auf Menschen einwirken. Psychische Beanspruchung ist hingegen die unmittelbare Auswirkung einer solchen psychischen Belastung. Und zwar entsprechend der Fähigkeit einer Person, mit dieser Auswirkung umzugehen.
Zeit, um Fähigkeiten entwickeln können

Anforderungen, die von außen psychisch auf Menschen einwirken, sind im Arbeitsleben zahlreich vorhanden: produktiv, mobil und flexibel sein.
„Der Druck von außen nimmt schneller zu, als dass Menschen ihre Fähigkeit entwickeln können, mit all dem so gelassen umzugehen, wie sie es vielleicht gerne wollten“, sagt Sandra Goal, Spezialistin für Vorsorge und Prävention bei der AOK Baden-Württemberg.
Die psychische Beanspruchung von Mitarbeitenden kann zum Beispiel durch die Veränderung von Arbeitsabläufen gesenkt werden (Verhältnisprävention). Aber auch eine Verhaltensprävention kann Hilfe bringen, etwa das Erlernen neuer Strategien zur Stressbewältigung oder für das Aufladen der „inneren Akkus“.
Doppelt so lange Ausfallzeiten
Psychische Erkrankungen stehen mittlerweile an zweiter Stelle der Gründe für eine Krankmeldung und sie bringen lange Ausfallzeiten mit sich: Im Schnitt dauern sie 28,1 Tage und damit mehr als doppelt so lange wie die durchschnittliche Zahl von Fehlzeiten bei anderen Erkrankungen. Das stellt nicht nur das Gesundheitssystem vor enorme Herausforderungen, sondern bringt auch einen hohen betriebs- und volkswirtschaftlichen Schaden mit sich.
Seelische Nöte – noch immer tabu
Neben Belastungen durch die Arbeit wirken jedoch noch zahlreiche weitere Faktoren auf Menschen ein, darunter Konflikte innerhalb eines Teams bis hin zu Mobbing oder private Vorkommnisse sowie unterschiedliche Herausforderungen. Das erhöht den Druck. „Es gibt Menschen, die sich unverstanden oder ausgegrenzt fühlen, die Hilflosigkeit verspüren, jedoch oft lange trotzdem weiterarbeiten, ohne sich Hilfe zu holen“, sagt Sandra Goal. „Das wiederum wirkt sich negativ auf Präventionsmaßnahmen und Therapien aus.“
„Werden Menschen frühzeitig angesprochen, wertschätzend auf Hilfsangebote hingewiesen und nehmen sie diese dann auch wahr, kann sich aus einer Auffälligkeit durchaus mehr persönliche Resilienz entwickeln.“
Sandra Goal
Spezialistin für Vorsorge und Prävention bei der AOK Baden-Württemberg
AOK-Programm „Lebe Balance“
Das Programm "Lebe Balance" unterstützt Menschen dabei, ihre psychische Gesundheit zu stärken und Stress im Alltag besser zu bewältigen. Es kombiniert wissenschaftlich fundierte Methoden mit praktischen Übungen, um persönliche Ressourcen zu aktivieren und die innere Balance zu fördern. Im Fokus stehen Themen wie Resilienz, Achtsamkeit und der Umgang mit belastenden Situationen.
Das Programm kann online oder in Gruppenkursen absolviert werden.
„Lebe Balance“
Mit dem AOK-Programm lernen Sie, den achtsamen Umgang mit sich selbst zu verbessern. Ziel ist, langfristig ein positives Lebensgefühl und mehr Gelassenheit im Alltag und im Arbeitsleben zu erreichen.
Führung in Balance
Ein weiterer wichtiger Baustein ist die Stärkung und Fortbildung von Führungskräften. Unter dem Titel „Führung in Balance“ bietet die AOK Baden-Württemberg eine Seminarreihe an.Psychische Herausforderungen
Führungskräfte können einen Leitfaden für ein Gespräch mit Mitarbeitenden nutzen, bei denen eine Verhaltensänderung wahrgenommen wird.Psychische Belastung am Arbeitsplatz
Im Themenspecial „Psychische Belastung am Arbeitsplatz“ wird darüber aufgeklärt, woran Führungskräfte erkennen können, ob Mitarbeitende Anzeichen von Krisen, Burn-out oder Vereinsamung im Homeoffice zeigen.