Zum Hauptinhalt springen
AOK WortmarkeAOK Lebensbaum
Arbeitgebermagazin

Recruiting

Im besten Alter

Veröffentlicht am:31.01.2025

5 Minuten Lesedauer

Die Fachkräftelücke in Deutschland bleibt auf hohem Niveau: Laut Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) konnten im Juni 2024 etwa vier von zehn (39,5 Prozent) offene Stellen für Qualifizierte nicht besetzt werden. Dabei gibt es Fachkräfte mit viel Erfahrung: die Generation 50 plus. Wie Sie das Fachkräftepotenzial der „Best Ager“ für Ihre Personalplanung nutzen.

Ein älterer Mann steht in einer Werkstatt neben einem jüngeren Mann und erklärt ihm etwas

© vm / Maskot via Getty Images

Großes Arbeitskräftepotenzial

Porträt von Louisa Kürten, Referentin im Themencluster Berufliche Qualifizierung & Fachkräfte am Institut der deutschen Wirtschaft Köln e. V.
Louisa Kürten vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V.

© privat

Best Ager oder Silver Ager – die Generation 50 plus hat mehrere Namen. „Unternehmen tun gut daran zu versuchen, ältere Mitarbeitende so lange wie möglich zu halten und bei Neueinstellungen explizit auch Ältere mit in den Blick zu nehmen. Sie sind eine wertvolle Zielgruppe mit großem Arbeitskräftepotenzial“, sagt Louisa Kürten vom Institut der deutschen Wirtschaft, die für das KOFA kleine und mittelständische Unternehmen in Personalfragen berät.

Ältere Mitarbeitende punkten mit Erfahrung, Fachkenntnissen und guten Netzwerken. Louisa Kürten weiß: Sie übernehmen Verantwortung, sind loyal, dank ihrer Lebens- und Berufserfahrung oft resilienter und gelassener als Jüngere – und damit eine Bereicherung für jedes Team. „Verschiedene Studien zeigen, dass heterogene Teams kreativer, innovativer und somit erfolgreicher sind“, so Kürten.

Durch ihren Erfahrungsschatz können ältere Beschäftigte wichtige Mentorinnen und Mentoren gesamter Teams werden, denn sie haben viele Situationen im Berufsleben bereits selbst erlebt – und Lösungen gefunden. Gerade Unternehmen aus Engpassbranchen wie dem Handwerk oder der Pflege profitieren von dem Erfahrungsschatz der Best Ager, die sie möglichst lange halten wollen.

Regelungen beachten

Auch Start-ups können sich über Ältere wertvolles Know-how einkaufen, einige Unternehmen stellen sogar Senior-Azubis ein. Wichtig ist dabei, bei älteren Mitarbeitenden (50 plus) zwischen der Zeit vor dem Renteneintritt und einer berufstätigen Zeit danach zu unterscheiden. Das ist schon sozialversicherungsrechtlich relevant, denn es gelten andere Regelungen.

Infos zur Flexirente

  • Wer mit Erreichen der Regelaltersgrenze in Rente geht und nebenbei weiterarbeitet, darf beliebig viel hinzuverdienen.
  • Für die Beschäftigung gilt der ermäßigte Beitragssatz der Krankenversicherung, ohne Anspruch auf Krankengeld.
  • Darüber hinaus zahlen diese Personen keine Beiträge für die Renten- und Arbeitslosenversicherung. Der Arbeitgeberanteil fällt weiter an – ohne rentensteigernde Wirkung.
  • Verzichten sie auf die Rentenversicherungsfreiheit (per schriftlicher Erklärung gegenüber dem Arbeitgeber), wirken sich der vom Arbeitgeber grundsätzlich zu tragende Beitragsanteil und auch der Beschäftigtenanteil rentensteigernd aus.
  • Die Deutsche Rentenversicherung berät Ihre Beschäftigten dazu vorab.

Wichtig: Gesundheitsförderung

Ältere Beschäftigte vor dem Renteneintritt sind oft noch voll belastbar und können ihre Kompetenzen zum Beispiel in Bereichen wie Projektmanagement oder Teamführung einbringen. Nach Eintritt in den Ruhestand können Mitarbeitende besonders gut Aufgaben übernehmen, in denen es vor allem um Erfahrung und die Weitergabe von Wissen geht – wie lange das geht, ist individuell und je nach Tätigkeit unterschiedlich. Wichtig in jedem Fall: die Gesundheit der Mitarbeitenden zu fördern.

Relevant für alle Beschäftigten

Porträt von Dr. Judith Brenneis, Expertin für Betriebliches Gesundheitsmanagement bei der AOK.
Dr. Judith Brenneis, Expertin für Betriebliches Gesundheitsmanagement bei der AOK.

© privat

Arbeitgeber können ihre Beschäftigten mit Angeboten der Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) unterstützen, lange fit und gesund zu bleiben. Spezialprogramme für Ältere brauchen sie dabei in der Regel nicht.

„Gesundheitschecks, Wertschätzung, Stressmanagement, Achtsamkeit, eine ergonomische Arbeitsplatzgestaltung, Bewegung und Mobilität, flexible Arbeitsmodelle, gesunde Ernährung – was den Älteren wichtig ist, ist auch für die Jüngeren relevant“, sagt Dr. Judith Brenneis, Expertin für Betriebliches Gesundheitsmanagement bei der AOK.

Bei bestimmten alterstypischen, aber nicht behandlungsbedürftigen Beschwerden, zum Beispiel im Bereich der Gelenke, könne eine Zielgruppenspezialisierung bei den BGF-Angeboten sinnvoll sein, so die Expertin. „Sonst gilt: Bei BGF-Angeboten darf keine Altersdiskriminierung stattfinden, in keine Richtung. Niemand darf sich abgehängt oder überfordert fühlen. Manche Unternehmen planen an den Bedürfnissen ihrer Mitarbeitenden vorbei. Ich rate, vorab abzufragen, was wirklich gebraucht wird.“

Soziale Ressourcen im Blick

„Wenn die Stimmung schlecht ist, gehen die Leute“, mahnt Brenneis. „Ins Miteinander zu investieren ist manchmal wichtiger als jedes Rückentraining.“ Die junge Generation habe teilweise andere Werte und andere Vorstellungen von Arbeit. Louisa Kürten und Judith Brenneis sind sich einig: Für viele Jüngere seien heute Diversität, Nachhaltigkeit, sinnstiftende Tätigkeiten und eine gute Life-Balance wichtiger als etwa das Gehalt.

Ältere würden oft noch sehr hierarchische Strukturen kennen und werfen ihnen manchmal eine schlechte Arbeitsmoral vor. „Da prallen mitunter Welten aufeinander“, weiß Brenneis. Altersdiverse Teams brauchen daher einfühlsame Führungskräfte. „Sie können die Unterschiede der Generationen als Stärke herausstellen und eine Ebene schaffen, auf der alle gemeinsam ein Ziel verfolgen. Alle können voneinander lernen. Ein gesunder Wald besteht auch nicht nur aus jungen Bäumen.“ Möglichkeiten für einen offenen, ehrlichen Austausch zu schaffen, fördert das Verständnis untereinander und ebnet den Weg für einen gelungenen Wissenstransfer.

„Alle können voneinander lernen. Ein gesunder Wald besteht auch nicht nur aus jungen Bäumen.“

Dr. Judith Brenneis
Expertin für Betriebliches Gesundheitsmanagement bei der AOK

Best Ager überzeugen

Was ist neben Gesundheitsangeboten und einer guten Unternehmens- und Führungskultur noch wichtig, um Best Ager von sich zu überzeugen?  „Neben dem Gehalt zählen vor allem passende Aufgaben, in die sie ihre Erfahrung einbringen können. Teilweise haben die Menschen noch viele Jahre Arbeit vor sich. Außerdem sind ihnen, wie den Jüngeren auch, Weiterbildungsmöglichkeiten sowie flexible Arbeitszeitmodelle und Pausenregelungen wichtig“, sagt Personalexperte Klaus Becker.

Über Mentoring-Programme oder Tandems in Führungspositionen können Ältere ihr Wissen weitergeben und erfahren Wertschätzung. Mit Mitarbeitenden, die vor der Rente stehen, können Arbeitgeber rechtzeitig das Gespräch suchen. Unter welchen Bedingungen können sie sich vorstellen weiterzuarbeiten? Zu diesem Zeitpunkt werden Teilzeitlösungen für viele interessanter: Laut Bundesagentur für Arbeit arbeiten in Deutschland 33 Prozent der 50- bis 64-jährigen sozialversicherungs-pflichtig Beschäftigten in Teilzeit. In der Gruppe ab 65 ist es schon jede oder jeder zweite (53 Prozent).

Eine Frau und ein älterer Mann stehen im Büro vor einem Schreibtisch am Laptop und unterhalten sich.

© Johner Images

Weiterarbeiten nach der Rente: Wer früh das Gespräch sucht, kann Mitarbeitende halten

Geburtenstarke Jahrgänge einbeziehen

Seit 2000 hat sich die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zwischen 50 und 64 Jahren mehr als verdoppelt. Zu diesen 11,7 Millionen Menschen kommen dann noch mehr als eine halbe Million Menschen, die auch nach der Rente noch sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind. „Manche müssen ihre Rente aufbessern. Viele jedoch möchten weiterarbeiten, um soziale Kontakte und Strukturen zu behalten und sich persönlich weiterzuentwickeln. Sie haben Lust zu arbeiten“, sagt Louisa Kürten.

Dieses Potenzial können Arbeitgeber nutzen. „Durch den demografischen Wandel wird sich die Situation in den kommenden Jahren noch verschärfen“, sagt Kürten. „Die geburtenstarken Nachkriegsjahrgänge bis 1964 gehen bald in Rente. Die entstehenden Lücken können nicht allein durch jüngere Arbeitskräfte aufgefüllt werden.“ Es lohnt sich also, bei der Personalplanung alle Altersgruppen einzubeziehen.

Best Ager begeistern

  • Betonen Sie, dass Sie Erfahrung wertschätzen.
  • Bieten Sie flexible Arbeitszeitmodelle an.
  • Investieren Sie in Weiterbildung und berufliche Entwicklung.
  • Unterstützen Sie die Gesundheit Ihrer Beschäftigten, indem Sie Angebote schaffen und sie zur Teilnahme motivieren.
  • Schaffen Sie eine Unternehmenskultur, die Vielfalt und Inklusion fördert.
  • Bieten Sie attraktive betriebliche Altersvorsorgeprogramme an.
     

So unterstützt die AOK Baden-Württemberg

Waren diese Informationen hilfreich für Sie?

Noch nicht das Richtige gefunden?