Gesundes Arbeiten
Am Ball bleiben: Konzentriert arbeiten
Veröffentlicht am:31.01.2025
5 Minuten Lesedauer
Wer konzentriert an einer Sache dranbleiben kann, erlebt Zufriedenheit. „Im Idealfall entsteht dann der produktivitätssteigernde sogenannte Flow“, sagt Prof. Cornelius König. Wenn alles stimmt, vergisst man beim Arbeiten also auch mal die Zeit und kann konzentriert bleiben. Der Arbeits- und Organisationspsychologe nennt dafür drei Grundbedingungen: Die Aufgabe muss zu den eigenen Fähigkeiten passen und interessant sein, ein Termin realistisch und drumherum sollte ausreichend Ruhe herrschen.

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Warum Konzentration oft schwerfällt
Konzentrationsstörungen haben vielfältige Ursachen: Meist ist es die Folge von Stress durch hohen Termindruck, große Arbeitsmengen, zu lange Arbeitszeiten und zu wenig Erholungspausen. Aber auch Unterbrechungen führen zu Konzentrationsmangel, da man Arbeiten immer wieder neu beginnen muss.
Sich gezielt abschirmen

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„Wer davon spricht, sich bei der Arbeit nicht konzentrieren zu können, meint meistens, dass Unterbrechungen von außen kommen“, gibt König zu bedenken. „Für Führungskräfte bedeutet das, eine Kultur – also die Verhältnisse – zu schaffen, sodass es Mitarbeitenden leichterfällt, sich gezielt abzuschirmen.“
Erfolgt die Kommunikation im Unternehmen hauptsächlich über eine digitale Arbeitsplattform, kann es hilfreich sein, die Mitarbeitenden zu Fokuszeiten zu animieren. Das gilt ebenso für Internet und Smartphone.
Vorgesetzte haben eine Vorbildfunktion und zeigen dem Team durch den eigenen Umgang damit, dass man respektvoll mit der Ressource Zeit umgeht, indem man Besprechungen kurz hält, und dadurch, dass für längere Aufgaben Mails auch mal warten können. „Das fördert nicht nur die Konzentration beim Arbeiten, sondern bringt insgesamt mehr Ruhe ins Team“, sagt König.
Neben einer lauten Geräuschkulisse oder Unterbrechungen durch Meetings, E-Mails, Chats und so weiter – welche Gründe kann es noch haben, sich bei der Arbeit nicht konzentrieren zu können?
Cornelius König: Das kann ganz handfeste Gründe haben: ein Konflikt mit einer Kollegin, mit der man sich noch nicht versöhnt hat, oder Erschöpfung am Ende eines langen, vielleicht überlangen Arbeitstags. Oder auch private Sorgen wie Liebeskummer oder Geldsorgen. Auch Schlafmangel hat einen direkten Einfluss auf unsere Konzentrationsfähigkeit – und ebenso, was und wie viel wir essen und trinken.
Mal angenommen, alles passt – wie lange kann ein Mensch dann konzentriert am Stück arbeiten?
Cornelius König: Zunächst einmal gibt es einen individuellen Biorhythmus. Manche arbeiten lieber früh, andere später. Üblicherweise liegen Leistungshochs am Vormittag und Nachmittag. Nach einer gewissen Zeit lässt die Konzentration nach und Pausen sind nötig. Außerdem sind Menschen nun mal unterschiedlich. Manche brauchen schneller wieder neue Reize, andere können sehr lange konzentriert arbeiten.
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Wie können Pausen die Konzentration bei der Arbeit fördern?
Cornelius König: Eine Faustregel ist: Lieber zu früh eine kurze Pause machen, als zu arbeiten, bis man eine Pause braucht. Auch ausreichend lange Pausen wie eine lange Mittagspause sind wichtig. Weiter gilt: Pausen so legen, dass man mit dem Gefühl die Aufgaben unterbricht, eigentlich gern weiterarbeiten zu wollen. Dann geht man vielleicht weniger gern in die Pause, kehrt jedoch viel lieber an die Arbeit, die gerade Spaß gemacht hat, zurück. Wer so lange arbeitet, bis eine Pause dringend nötig ist, braucht anschließend mehr Zeit, um wieder gut in die Arbeit hineinzufinden.
„Eine Faustregel ist: Lieber zu früh eine kurze Pause machen, als zu arbeiten, bis man eine Pause braucht.“
Prof. Cornelius König
Arbeits- und Organisationspsychologe
Wie können Führungskräfte ihre Mitarbeitenden unterstützen?
Cornelius König: Vorleben und Vorbild sein. Selbst auch mal nicht erreichbar sein. Die eigene Zeit und die der Mitarbeitenden wertschätzen. Im Team auch über Themen wie Unterbrechungen sprechen – und gemeinsam überlegen, wie diese reduziert werden können.
1. Unterbrechungen verhindern
Das E-Mail-Fenster und den Chat schließen, beim Smartphone den Flugmodus einschalten oder nach Vereinbarung das Telefon umstellen: Teams können in Absprache mit Führungskräften eine störungsfreie Zeit organisieren.
2. Powernap machen
Ein Powernap ist ein Energienickerchen, eine kurze Schlafpause. Er kann Stress reduzieren, die Kreativität steigern und Gedächtnisleistung sowie Immunabwehr verbessern. So geht’s: Mit einem Schlüsselbund in der Hand hinlegen oder hinsetzen, die Augen schließen. Fällt der Schlüsselbund herunter, war man eingeschlafen – und ist nun wieder wach und erfrischt.
3. Rechtzeitig pausieren
Regelmäßig Pausen machen, auch dann, wenn man am liebsten weiterarbeiten würde. Dann fällt die Rückkehr zur Arbeit leichter. Auch kurze Pausen verbessern die Konzentrationsfähigkeit enorm und reduzieren das Stresslevel.
4. Ein großes Glas Wasser trinken
Bereits geringer Wasserverlust führt schnell zu Konzentrationsstörungen oder sogar Kopfschmerzen. Am besten immer wieder mal ein großes Glas mit Wasser füllen und in kleinen Schlucken trinken. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft empfiehlt Erwachsenen, im Durchschnitt 1,5 Liter täglich zu trinken. Deutlich höher sollte die Trinkmenge bei trockener Luft und Hitze sein.
5. Kurz entspannen
Auf einen Stuhl setzen, die Handrücken auf die Oberschenkel oder Knie legen. Die Handfläche ist entspannt geöffnet, Daumen und Zeigefinger berühren sich. Blicken Sie auf einen Gegenstand im Raum oder schließen Sie die Augen. Atmen Sie ruhig und gleichmäßig. Nach drei bis fünf Minuten aufstehen, Arme und Beine strecken und wieder an die Arbeit gehen.
Powernaps
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