Gesundes Arbeiten
Stress gezielt in den Griff bekommen
Veröffentlicht am:30.01.2025
5 Minuten Lesedauer
Stress ist ein natürlicher und notwendiger Mechanismus, der Körper und Geist auf Höchstleistungen vorbereitet. Anhaltender negativer Stress kann jedoch der Gesundheit schaden und die Produktivität beeinträchtigen. Dauerstress zu vermeiden, ist deshalb ein entscheidender Teil der Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF). Das vierwöchige Online-Programm „Stress im Griff“ hilft dabei, individuelle Stressmuster gezielt zu verändern. Die Teilnahme ist kostenlos und ohne AOK-Mitgliedschaft möglich.

© DimaBerlin / AdobeStock
Positiver Mechanismus von Stress
In kürzester Zeit steigen Hormone wie Cortisol und Adrenalin an. Sinne werden geschärft, Körper und Geist können Höchstleistungen erbringen. Das ist der positive, lebensnotwendige Mechanismus von Stress. Lässt die Anspannung nach, normalisieren sich die Körperfunktionen wieder. Anders bei andauerndem negativem Stress: Dieser kann auf Dauer der Gesundheit schaden. Dauerstress zu vermeiden, ist ein wichtiger Baustein der Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) – und kann helfen, Fehlzeiten zu reduzieren.
Stress gar nicht entstehen lassen
Das AOK-Programm „Stress im Griff“ regt Menschen zu einem anderen Umgang mit herausfordernden Situationen an. So entsteht negativer Stress bestenfalls gar nicht erst. Denn Stress ist eine individuelle Reaktion, die sich beeinflussen lässt. Führungskräfte können ihrem Team das Programm ans Herz legen, aber es auch selbst nutzen und Vorbild sein.
So funktioniert Stress im Griff
Zu Beginn des vierwöchigen, kostenlosen Online-Programms wird anhand einfacher Fragen zunächst das individuelle Stressprofil der oder des Teilnehmenden ermittelt. Anschließend erhält er oder sie eine E-Mail pro Woche mit individualisierten Anregungen, wie die Person entsprechend den hinterlegten persönlichen Angaben mit Stresssituationen umgehen kann.
Die Anregungen zu lesen, dauert rund 15 Minuten. Die Tipps im Alltag anzuwenden, erfordert keinen zusätzlichen Zeitaufwand. Ergänzt wird das Angebot durch weitere, ebenfalls kostenlose Zusatzkurse. Eine AOK-Mitgliedschaft ist auch dafür nicht erforderlich.
Interview mit Dr. Manfred Oetting

© privat
Dr. Manfred Oetting ist Psychologe und Stressexperte, sein Buch „Falle Stress" ist die Basis des AOK-Programms „Stress im Griff".
Weniger Stress haben. Wie funktioniert das, Herr Oetting?
Manfred Oetting: Zum einen ist wichtig, dass Arbeitgeber Rahmenbedingungen wie Arbeitsatmosphäre und -verdichtung sowie interne Kommunikation und Betriebsklima gezielt so verändern, dass weniger Stress entsteht. Ein weiterer Faktor für weniger Stress ist, wie man selbst Herausforderungen bewertet und mit diesen umgeht. Auch da lässt sich nämlich etwas tun.
Herzstück des AOK-Programms „Stress im Griff“ ist darum, dass Leute ihr eigenes Stressmuster oder auch Wahrnehmungsmuster kennenlernen und es dann verändern. Diese Möglichkeit ist Menschen zumeist nicht bewusst, weil sie gelernt haben, in den Mustern zu bleiben. Sie bieten Sicherheit darüber, was richtig und falsch, möglich und unmöglich ist. Wir alle haben diese Muster und die sind auch erst mal positiv. Nur wenn’s überbordet, wird es negativ.
Wie läuft das Programm ab?
Manfred Oetting: Aufgabe der ersten Woche ist ein Multiple-Choice-Fragebogen. Der ist nicht besonders persönlicher Natur, sondern es werden Sichtweisen abgefragt. Aus den Antworten wird in einem komplexen digitalisierten Prozess ermittelt, wie die Teilnehmenden die Welt sehen, also welches Stressmuster bei ihnen am stärksten ausgeprägt ist und was das für sie persönlich bedeutet. Das Ergebnis wird ihnen zur Verfügung gestellt. Es ist Grundlage für die individualisierten Inhalte, die sie in den darauffolgenden Wochen erhalten.
Haben Sie ein Beispiel für ein Stressmuster?
Manfred Oetting: Ich habe eine Anekdote zu sogenannten Perfektionisten. Die wollen ja jeden Fehler vermeiden. Damit setzen sie sich selbst unter Druck und gehen allen anderen auf die Nerven. Weil sie von denen ebenfalls perfekte Ergebnisse erwarten, was in den seltensten Fällen gelingt und worüber sie sich dann wieder ärgern. Für diese Leute haben wir an einer Stelle mutwillig drei Rechtschreibfehler eingebaut.
Anschließend wird ihnen erklärt, dass sie wahrscheinlich merken, dass sie sich über diese Fehler ärgern. Das finden viele Teilnehmende ganz toll. Andere schreiben E-Mails, dass es im Online-Kurs Rechtschreibfehler gäbe.
„Stress im Griff“ in Zahlen:
- Mehr als 30.000 Teilnehmende gab es seit Programmstart.
- Mehr als 93 Prozent der Teilnehmenden fanden das Programm wertvoll.
Wie viel Zeit muss man für das Programm investieren?
Manfred Oetting: Wöchentlich eine Viertelstunde reicht aus, um den „Impuls“, der die Teilnehmenden per Mail erreicht, zu lesen und Videos anzuschauen.
Die Übungsaufgaben im Alltag umzusetzen, benötigt keinen Zeitaufwand, weil man die gleichen Dinge macht wie immer, nur anders als bisher. Die Leute können das Programm über mehrere Wochen ziehen oder Pausen machen. „Stress im Griff“ steht ihnen zur Verfügung, solange sie wollen. Darüber hinaus können sie später mit 15 Zusatzkursen weitermachen. Auch die sind kostenlos.
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Wie ist das mit dem Datenschutz?
Manfred Oetting: Der ist zu 100 Prozent gewährleistet. Auch dann, wenn aus dem firmeneigenen Intranet direkt auf die Programmseite verlinkt wird. Die Menschen melden sich auf stress-im-griff.de an, ein Bezug zum Arbeitgeber besteht nicht. Die Daten liegen in Deutschland, es gibt keine Verknüpfung zu irgendwelchen sozialen Medien und auch nicht zur AOK. Für statistische Auswertungen werden die Daten anonymisiert.
Was raten Sie persönlich Arbeitgebern bezüglich Stress?
Manfred Oetting: Ich habe jahrelang Führungskräfte beraten – diese Erfahrungen sind ins AOK-Programm mit eingeflossen. Darum einfach mal „Stress im Griff“ ausprobieren. Der Zeitaufwand ist gering, den persönlichen positiven Nutzen spürt man am besten selbst.
Was sagen Teilnehmende?
Manfred Oetting: Das Feedback ist sensationell. Was die Leute am besten bewerten: dass sie sich durch die individualisierte Ansprache des Programms schnell wiederfinden. Also, sie lesen das und sagen: Ja, das stimmt, da beschreibt einer, wie ich die Welt sehe, und deshalb vertrauen sie dem Programm. Sie fühlen sich gut abgeholt.
Vorteile auf einen Blick
Beim vierwöchigen Online-Programm „Stress im Griff“ geht es darum, insgesamt widerstandsfähiger zu werden, damit negativer Stress gar nicht erst entsteht. Die Vorteile:
- kostenlos
- keine Mitgliedschaft bei der AOK erforderlich
- individualisierte Stressmuster-Analyse
- persönliche Empfehlungen für den Alltag
- Ergänzungskurse – ebenfalls kostenlos
Anmeldung - Stress im Griff
Beim vierwöchigen Online-Programm „Stress im Griff“ geht es darum, insgesamt widerstandsfähiger zu werden, damit negativer Stress gar nicht erst entsteht.
Psychische Gesundheit
Das Programm „Lebe Balance“ fördert nachhaltig die Resilienz mit passenden Trainingsinhalten. Die Evaluation belegt: Bei den Teilnehmern sank die psychische Belastung nach der Seminarteilnahme, während sich Lebenszufriedenheit erhöhte.Führung in Balance
In den Seminaren „Führung in Balance“ erhalten Führungskräfte das Handwerkszeug, um Mitarbeitende gesundheitsgerecht anzuleiten und zudem auch die eigenen Ressourcen zu stärken.Analyse und Beratung
Wir unterstützen Sie mit einer kostenlose Analyse des Krankheitsgeschehens in Ihrem Unternehmen. Dieser wird aus anonymisierten Daten erstellt und ist die Basis für gezielte Maßnahmen für Betriebliche Gesundheitsförderung.