Gesundheitliche Beschwerden halten viele Beschäftigte nicht davon ab, weiter ihrer Arbeit nachzugehen. Somit kann auch der Verzicht auf Krankmeldungen trotz gesundheitlicher Probleme zu einem Teil zu sinkenden Krankenständen beitragen. Der Fehlzeiten-Report 2021 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hat gezeigt, dass 13,2 Prozent der befragten AOK-Versicherten entgegen dem Rat des Arztes krank zur Arbeit gegangen sind. Besonders betroffen ist die Pflegebranche: Unter den Führungskräften in der Pflege sind in einem Kalenderjahr 36 Prozent krank arbeiten gegangen.
„Präsentismus“ ist somit weit verbreitet und sollte bei der Auswertung des Krankheitsgeschehens im Betrieb mitberücksichtigt werden: Wer die krankheitsbedingte Beeinträchtigung der Arbeit und den damit einhergehenden Produktivitätsverlust erfassen will, darf den Krankenstand nicht als alleinigen Maßstab nehmen. Krankheitsbedingte Abwesenheiten und Präsentismus sind gleichermaßen zu betrachten.
In Zeiten wie der Corona-Krise zeigt sich ein negativer Aspekt des Präsentismus ganz deutlich: Wer krank zur Arbeit geht, bringt immer auch das Risiko der Ansteckung mit an den Arbeitsplatz.
Generell sind sich Fachleute weitgehend darüber einig, dass ein niedriger beziehungsweise sinkender Krankenstand nicht zwangsläufig bedeutet, dass sich die Gesundheit der Beschäftigten verbessert hat. Ein sinkender Krankenstand kann auch mit einem steigenden Leistungsdruck im Unternehmen einhergehen und ist dann kein gutes Signal.