Lebensmittel
Fleischersatz: Wie gesund sind Fleischalternativen wirklich?
Veröffentlicht am:04.05.2021
7 Minuten Lesedauer
Aktualisiert am: 09.01.2024
Sojaschnitzel, Linsenpatties, fleischfreie Bolognese – die Auswahl ist groß, wenn es um Fleischersatz geht. Doch sind die Produkte überhaupt gesund und besser fürs Klima? Was Sie über Fleischalternativen wissen sollten.

© iStock / SilviaJansen
Welche Fleischersatzprodukte gibt es?
Hersteller überbieten sich in den Supermarktregalen mit einer stets größer werdenden Anzahl fleischfreier Produkte. Die Albert-Schweitzer-Stiftung geht in einer Studie über vegetarische und vegane Fleischalternativen davon aus, dass es mehr als 250 Fleischersatzprodukte gibt.
Fleischersatzprodukte lassen sich in diese Produktkategorien unterteilen:
- Bratwürstchen
- Brühwürstchen
- Burger
- Hack
- Filets
- Geschnetzeltes
- Gyros
- Lyoner
- Nuggets
- Salami
- Schnitzel
- Steaks
Konsum von Fleischersatzprodukten nimmt stetig zu
Immer weniger Menschen in Deutschland essen Fleisch, wie aus dem „Ernährungsreport 2022“ im Auftrag des Bundesernährungsministerium hervorgeht. 2015 aß noch jede und jeder Dritte täglich Fleisch, acht Jahre später ist es nur noch jede fünfte Person. Fleischverzicht bedeutet aber nicht, ganz auf den Geschmack zu verzichten: Laut des Ernährungsreports kauft jede und jeder Zehnte täglich pflanzliche Fleischalternativen. Der Konsum bei den 18- bis 29-Jährigen liegt mit 18 Prozent am höchsten.
Dementsprechend nimmt auch das Angebot an Fleischersatzprodukten zu: Laut Statistischen Bundesamt erhöhte sich die Produktion im Jahr 2022 um 6,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr – im Vergleich zu 2019 sogar um 72,7 Prozent.
Fleischersatzprodukte sind Produkte, die in Farbe, Konsistenz und Geschmack Fleisch ähnlich sind. Die Hauptbestandteile sind pflanzlichen oder tierischen Ursprungs: Vor allem Soja, aber auch Weizen, Lupine, Grünkern, Jackfrucht, Erbsen, Reis und verschiedene Kombinationen bilden häufig die Basis. Daneben gibt es Fleischersatz mit Hühnerei und Milch, die nicht Bestandteil veganer Ernährung, sondern nur für Vegetarier und Vegetarierinnen geeignet sind.
Neben den Fleischersatzprodukten ersetzen unverarbeitete, fleischlose Alternativen wie Hülsenfrüchte Rind, Schwein und Huhn in der Ernährung.
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Hülsenfrüchte
Lupinen Sojafleisch Tofu Tempeh
Getreide
Grünkern Seitan
Frucht
Jackfrucht
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Welche Vorteile haben Fleischersatzprodukte?
Ernährungsphysiologisch betrachtet, schneiden die fleischlosen Alternativen in einigen wichtigen Punkten besser ab als Fleisch und Fleischprodukte. Vor allem für Fleisch- und Wursterzeugnisse können sie somit durchaus eine gesündere Alternative sein.
Viele fleischfreie Produkte enthalten im Gegensatz zu Fleisch und Fleischprodukten weitaus weniger gesättigte Fettsäuren. Diese kommen hauptsächlich in tierischen Produkten vor und stehen im Verdacht, Gefäßablagerungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu begünstigen.
Darüber hinaus liefern vegane Fleischalternativen in vielen Fällen mehr Eiweiß (Protein) als ihre fleischhaltigen Pendants. Die Eiweißqualität, also sowohl die Verwertbarkeit als auch die Anzahl wesentlicher Aminosäuren, von Produkten auf Soja-Basis steht der von Rindfleisch, Milch und Eiern dabei in nichts nach. Tofu enthält etwa alle neun essentiellen Aminosäuren. Somit können fleischlose Alternativen durchaus zu einer ausgewogenen Eiweißversorgung beitragen.
Fleischfreie Alternativen, besonders rein pflanzliche, enthalten viele Ballaststoffe. Sie beeinflussen die Darmflora positiv und können das Risiko für ernährungsbedingte Erkrankungen wie etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Darmkrebs oder auch Übergewicht und Bluthochdruck senken.
Haben Fleischersatzprodukte auch Nachteile?
Fleischalternativen können unter Klimaaspekten und aus ernährungsphysiologischer Sicht besser sein als ihre fleischhaltigen Verwandten. Allerdings sollten Sie immer ein Blick auf die Zutatenliste werfen, da Produkte Zusatzstoffe enthalten können. Bei einigen Fleischersatzprodukten wird auch Palmöl verwendet. Dieses ist umstritten, da es mit der Zerstörung des Regenwaldes einhergeht und auch Lebensraum von Tieren verloren geht.
Wer den Energie- und Fettgehalt von Fleisch und Fleischprodukten mit ihren Alternativen vergleicht, findet beim Fleischersatz nicht unbedingt viel weniger davon. Rein pflanzliche Produkte weisen zwar meist einen leicht geringeren Energiegehalt als vergleichbare Produkte aus Fleisch auf, allgemein betrachtet ist der Kaloriengehalt aber ähnlich hoch. Werfen Sie einen Blick auf die Nährwerttabelle der Verpackung.
In einigen Fleischersatzprodukten ist auch zu viel Salz enthalten, weshalb sie nicht unbedingt gesünder als die „Originale“ sind. Allerdings haben hier viele Hersteller bereits nachgebessert und den Salzgehalt reduziert.

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Fleischersatz: Sind Fleischalternativen besser für das Klima?
Fleischkonsum hat negative Auswirkungen auf die Umwelt, unter anderem wegen der hohen Treibhausgasemissionen – doch wie sieht es mit Fleischalternativen aus?
Fleischersatz pflanzlichen Ursprungs ist klimafreundlicher als Fleisch – zu diesem Schluss kommt etwa das Umweltbundesamt. In der 2020 veröffentlichten Studie „Fleisch der Zukunft“ zeigte sich, dass Soja, Weizen und Co. in der Ökobilanz um ein Vielfaches besser abschneiden: Die Herstellung dieser pflanzlichen Alternativen erzeugt über 90 Prozent weniger Treibhausgase und verlangt wesentlich weniger Wasser und Fläche im Vergleich zur Rindfleischproduktion.
Ein Grund für dieses positive Ergebnis: Pflanzlicher Fleischersatz findet ohne Umwege seinen Weg in die menschliche Ernährung. Anders sieht es aus, wenn Weizen und Soja zuerst als Tierfutter angebaut werden: Für das Tierfutter braucht es viel Anbaufläche, Wasser und Energie – Ressourcen, die bei einer fleischlosen Ernährung geringer ausfallen: 2,8 Kilogramm Treibhause entstehen bei der Produktion eines Kilogramms Soja-Fleischersatz – demgegenüber liegt Schweinefleisch bei 4,1 Kilogramm und Rindfleisch sogar bei 30,5 Kilogramm Treibhausgase. Eine neuere Studie (2022) der Universität Oxford kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: Fleischalternativen sind ressourcen- und somit umweltschonender. Für 100 Gramm Fleisch wird eine sechs- bis siebenmal größere Nutzfläche benötigt als für die gleiche Menge Sojaprotein.
Übrigens: Aus Klimaperspektive steht Fleischersatz aus Insekten eher an zweiter Stelle, weil er laut der Studie des Umweltbundesamts mehr Treibhausgase (etwa drei Kilogramm) ausstößt als die pflanzlichen Varianten. Die Ökobilanz ist bei Insekten-Fleischersatz dennoch besser als bei Rind, Schwein und Huhn.