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Fieber messen bei Kindern und Erwachsenen – so geht's richtig
Veröffentlicht am:09.06.2021
9 Minuten Lesedauer
Aktualisiert am: 29.06.2023
Es gibt viele Möglichkeiten, Fieber zu messen: im Ohr, an der Stirn, unter der Achsel, unter der Zunge oder rektal. Welche Methode bei Kindern und Erwachsenen die genauesten Ergebnisse liefert und ab wann Ärzte und Ärztinnen von Fieber sprechen, erfahren Sie hier.

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Wo fängt Fieber an?
Wer richtig Fiebermessen will, sollte wissen: Die normale Körperkerntemperatur liegt zwischen 36 und 37 Grad Celsius. Damit ist tatsächlich die Temperatur im Hypothalamus – ein Gehirnbereich im Zwischenhirn – und in lebenswichtigen inneren Organen gemeint. Da diese von außen nur schwer zugänglich sind, wird die Körpertemperatur an anderen Körperstellen gemessen: in Mund, Achsel, After und Ohr.
Wann eine erhöhte Temperatur als Fieber gilt, hängt von dem Ort der Messung ab, da die Bereiche unterschiedlich warm sind. Bei einer Messung im Mund spricht die Medizin von Fieber, wenn die Körpertemperatur auf über 37,8 Grad Celsius erhöht ist, bei einer rektalen Messung erst ab 38,2 Grad Celsius. Sehr starke Abweichungen der Körpertemperatur können zu Schädigung von Gewebe und Organen führen, Temperaturen von über 42,6 Grad Celsius können sogar tödlich enden.
Leicht erhöhte sowie leicht gesenkte Temperaturen sind dagegen kein Grund zur Sorge. Die Körpertemperatur hängt von verschiedenen Faktoren ab und kann innerhalb eines Tages schwanken, so ist sie abends meist höher als am Morgen. Hier ein Überblick über die Körpertemperatur an den verschiedenen Messorten:
Ort der Messung | Temperatur | Schwankungen |
---|---|---|
Achsel | 36,5 °C | 34,7 bis 37,3°C |
Mund | 37°C | 35,5 bis 37,5°C |
Ohr/Stirn | 37,5°C | 35,8 bis 38,0°C |
After | 37,8°C | 36,6 bis 38,0°C |
Was ist Fieber?
Sie haben Fieber gemessen und eine erhöhte Temperatur. Das ist zunächst kein Grund zur Sorge. Fieber ist keine Krankheit, sondern ein Symptom, das in Verbindung mit diversen Erkrankungen auftreten kann. Es zeigt an, dass der Körper seine Abwehrkräfte aktiviert und auf Krankheitserreger reagiert. Damit ist es ein wichtiger und natürlicher Abwehrmechanismus des Körpers.
Fieber oder hohes Fieber treten hauptsächlich in Verbindung mit Infektionskrankheiten auf. Dazu zählen unter anderem Erkältungen und Grippe, bei Kindern auch Mittelohrentzündungen oder Magen-Darm-Infekte. Im Vergleich zu Erwachsenen bekommen Babys, Kleinkinder und größere Kinder öfter Fieber. Allerdings kann es ab und zu auch vorkommen, dass bei einem Kind abends, ohne zusätzliche Krankheitsanzeichen, Fieber festgestellt wird, und es am nächsten Morgen wieder vollkommen verschwunden ist.
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Wie entsteht Fieber?
Ausgangspunkt für eine steigende Körpertemperatur, die sich beim Fiebermessen zeigt, ist das menschliche Gehirn, genauer gesagt der Hypothalamus. Dieser Teil des Zwischenhirns steuert unter anderem Atmung und Kreislauf. Sobald Krankheitserreger in den Körper eindringen, beginnt das Abwehrsystem, sie zu bekämpfen. Zeitgleich werden Botenstoffe freigesetzt, die im Hypothalamus das Zeichen geben, die Körpertemperatur zu erhöhen. Die zusätzliche Wärme entsteht, indem der Stoffwechsel auf Hochtouren arbeitet.
Gleiches gilt für die Muskeln, die sogar zittern können. Infolge dieser Veränderungen drosselt der Körper die Wärmeabgabe über die Haut. Das äußert sich durch kalte Hände und Füße, blasse Wangen und Frieren bis hin zu Schüttelfrost. Auch ein schneller Puls und eine erhöhte Atemfrequenz sowie trockene Haut lassen sich bei Fieber beobachten.
So verläuft die Fieberkurve
Bei Kindern kann die Körpertemperatur recht schnell ansteigen. Achten Sie auf folgende Warnsignale: Kinder haben bei Fieber meist ein heißes und gerötetes Gesicht. Dabei ist die restliche Haut kühl und blass, die Augen sind glasig. Oftmals sind die Kinder sehr müde, quengelig und appetitlos.
Bei einem bekannten Infekt oder leicht erhöhter Temperatur sollten Eltern regelmäßig Fieber messen, um die Temperatur im Blick zu behalten.
Fieber verläuft in der Regel in drei Phasen:
- Es steigt bis zu einer bestimmten Temperatur an. Mögliche Begleitsymptome hierbei sind Schüttelfrost, Frieren, Blässe, kalte Hände und Füße.
- Die Temperatur ist erreicht und bleibt auf diesem Niveau.
- Das Fieber sinkt und die Körpertemperatur normalisiert sich. Dies kann begleitet sein von geröteter, warmer Haut, Schwitzen oder Durst.
Wichtig: Neugeborene oder junge Säuglinge können teils schwere Infektionen haben, ohne zu fiebern. In diesem Alter sollten Sie eine ungewöhnliche Hautfarbe, wiederholtes Erbrechen und/oder Durchfall, Wesensveränderung wie besondere Schlappheit und Trinkverweigerung als Warnsignale sehen und einen Kinderarzt bzw. Kinderärztin aufsuchen.
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Fieber richtig messen
Wenn Kinder sich schlapp und unwohl fühlen, sollten Eltern Fieber messen. Am besten legen Sie Ihr fiebriges Kind ins Bett und kontrollieren die Temperatur regelmäßig. Wenn es Ihnen hilft, notieren Sie Uhrzeit und Temperatur, um eine Entwicklung zu erkennen. Achten Sie dabei darauf, möglichst immer mit der gleichen Methode Fieber zu messen, um widersprüchliche Werte zu vermeiden. Doch welche ist die zuverlässigste? Und welche eignet sich am besten für Babys, Kleinkinder, Kinder und Erwachsene?

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Fieber messen bei Babys Fieber messen im Ohr Wie sinnvoll sind Stirnthermometer? Ab wann sollte man bei Kindern im Mund Fieber messen? Unter welchem Arm lässt sich bei Kindern gut Fieber messen? Warum ist es sinnvoll, auch bei Erwachsenen rektal Fieber zu messen?
Wie lässt sich Fieber behandeln?
Fieber ist ein wichtiger Mechanismus des Körpers. Sie sollten daher nur versuchen, das Fieber zu senken, wenn Ihr Kind dadurch extrem erschöpft ist oder hohes Fieber dauerhaft besteht. Das gilt auch für Erwachsene. Bei Kindern setzen Mediziner und Medizinerinnen oft fiebersenkende Zäpfchen, Säfte oder Tropfen ein – bei Erwachsenen auch Tabletten.
Fiebersenkende Wirkstoffe sind beispielsweise Paracetamol und Ibuprofen, beide sind für Kinder geeignet und in Form von Tabletten, Brausegranulat, Saft oder Zäpfchen erhältlich. Die Dosierung richtet sich dabei nach Alter und Körpergewicht. Acetylsalicylsäure hingegen kann bei Kindern und Jugendlichen in seltenen Fällen eine gefährliche Nebenwirkung, das Reye-Syndrom, hervorrufen und darf deswegen nur auf ärztliche Anordnung gegeben werden.
Das bekannteste fiebersenkende Hausmittel sind Wadenwickel. Dafür benötigen Sie eine Schüssel, zwei Geschirrtücher aus Baumwolle und zwei normalgroße Frotteehandtücher. Füllen Sie die Schüssel mit lauwarmem Wasser und tränken Sie die Baumwolltücher darin. Anschließend wringen Sie diese gut aus und umwickeln mit ihnen beide Unterschenkel – von der Kniekehle bis zum Knöchel. Die trockenen Frotteehandtücher legen Sie um die nassen Tücher. Sobald die Baumwolltücher körperwarm sind, starten Sie wieder von vorn. Sind jedoch die Füße oder Beine kalt oder handelt es sich um einen Harnwegsinfekt, sollten Sie keine Wadenwickel machen. Obwohl es wenige wissenschaftliche Studien zum Nutzen von Wadenwickeln gibt, sind viele Eltern von den positiven Effekten überzeugt.
Zudem gilt immer: Wenn Sie bei sich selbst Fieber messen und feststellen, dass die erhöhte Temperatur länger als zwei bis drei Tage anhält, sie auf über 40 Grad Celsius ansteigt oder weitere Symptome hinzukommen, fragen Sie einen Arzt oder eine Ärztin um Rat.
Für Babys und Kinder gelten besondere Empfehlungen: Ist der Säugling jünger als drei Monate, sollte Sie bei einer Körpertemperatur ab 38 Grad Celsius einen Kinderarzt oder eine Kinderärztin aufsuchen, wenn das Kind älter ist, bei Fieber ab 39 Grad. Gleiches gilt, wenn das Fieber schubweise oder wiederholt auftritt, bei einem Kind unter zwei Jahren länger als einen Tag und bei einem älteren Kind länger als drei Tage anhält.