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Haut & Allergie

Beliebte und possierliche Brummer – aber können Hummeln stechen?

Veröffentlicht am:04.04.2025

7 Minuten Lesedauer

Rund, pelzig, irgendwie gemütlich – Hummeln genießen bei uns einen viel besseren Ruf als ihre aggressiver wirkenden Verwandten, die Wespen. Zu Recht oder stechen sie genauso oft? Und wie gefährlich ist ein Hummelstich?

Eine Hummel sitzt auf den Staubblättern einer orangefarbenen Blüte und saugt mit ausgestrecktem Rüssel Nektar.

© iStock / Jean Landry

Kurz vorgestellt: die Hummel

Schon im Frühjahr, wenn sich die ersten Blüten öffnen, hören wir sie in Gärten und auf Wiesen deutlich brummen: Gartenhummeln, Ackerhummeln, Heidehummeln oder Samthummeln – um nur einige der in Deutschland vorkommenden Hummeln zu nennen. Denn dank einer raffinierten Temperaturregulation im rundlichen Hummelkörper können sie schon ab 3 Grad Celsius umherfliegen. Hummeln sind faszinierend und enorm wichtig für unser Ökosystem.

Die Hummel und ihre Verwandten

Die Hummel (Bombus) gehört wie Wespen oder Bienen zur Insektenordnung der Hautflügler (Hymenoptera) und innerhalb dieser zur Unterordnung der Stechimmen. Kennzeichnend für Stechimmen ist, dass sie mit einem Stachel zur Verteidigung ausgestattet sind. Trotz ihres kräftigeren Körperbaus sind Hummeln eigentlich Wildbienen und zählen wie die anderen, schlankeren Wildbienen und Honigbienen, zur Familie der Echten Bienen (Apoidea). Alle Mitglieder dieser Familie sind staatenbildend. Das bedeutet, sie leben in Völkern mit einer Königin, vielen Arbeiterinnen, männlichen Drohnen sowie Jungköniginnen und bauen Nester.

Aussehen und Lebensweise von Hummeln

Hummeln leben vor allem in den gemäßigten Regionen der Nordhalbkugel. Von den weltweit rund 250 Arten kommen etwa 45 in Deutschland vor. Ihr kräftig-rundlicher Körper ist dicht behaart und die meisten sind schwarz-gelb gestreift, die Farbe changiert je nach Art zwischen hellgelb bis orange. Ihre Nahrung aus Nektar und Blütenpollen nehmen Hummeln über einen bis zu zwei Zentimeter langem Rüssel auf – bemerkenswert, denn insgesamt erreichen Hummeln je nach Art eine Körperlänge von nur acht Millimetern bis 2,1 Zentimeter. Hummeln bauen ihre Nester, in denen 50 bis 600 Tiere leben, in Erdhöhlen, hohlen Baumstämmen oder verlassenen Vogelnestern. Im Herbst sterben alle Arbeiterinnen und Drohnen und viele Altköniginnen. Die Jungköniginnen und die überlebenden Königinnen überwintern in Höhlen, Laubhaufen oder Böschungen und gründen im Frühjahr ein neues Volk.

Warum Hummeln für die Natur so wichtig sind

Ohne die Bestäubung durch Insekten können sich viele Pflanzen nicht vermehren und Früchte tragen. Hummeln gehören zu den frühesten Bestäubern im Jahr. Selbst bei nasskaltem Wetter besuchen die robusten Hummeln bereits die ersten Frühblüher. Außerdem erreichen sie mit ihrem langen Rüssel auch den Nektar in langen Blütenkelchen. Für viele Pflanzen sind Hummeln die einzigen Bestäuber. Ihr Flügelschlag wirbelt dabei Pollen auf, die viele Blüten in der Umgebung bestäuben. Das ist so effektiv, dass Hummeln sogar gezüchtet werden, um sie in Gewächshäusern einzusetzen. Leider sind Hummeln in Deutschland bedroht, etwa wegen fehlender Nistplätze oder durch Pestizide aus der Landwirtschaft: Drei Arten sind bereits ausgestorben, mehr als zehn weitere sind gefährdet. Mit einem insektenfreundlichen Garten oder Balkon können Sie Hummeln helfen.

Ist es eigentlich „unmöglich“, dass Hummeln fliegen?

Ein Mythos besagt, dass Hummeln nach den Gesetzen der Physik nicht in der Lage sein dürften, ihren großen Körper mit ihren kleinen Flügeln in die Luft zu heben. Doch sie nutzen einen einfachen Trick: Anders als Flugzeuge haben sie flexible Flügel mit einem Gelenk in der Mitte. Wenn die Flügel hin und her schlagen, entsteht ein Wirbel, der der Hummel den nötigen Auftrieb gibt und sie abheben lässt. Dieser Wirbel, in dem trotz der kleinen Flügelfläche viel Luft bewegt wird, ähnelt dem eines Hubschraubers. Dass kleine Hummelflügel einen voluminösen Körper abheben lassen können, ist also kein Wunder der Natur, sondern ein physikalisch erklärbarer Vorgang.

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Stechen Hummeln nur oder beißen sie auch?

Hummeln besitzen einen Stachel, allerdings nur die Weibchen. Im Gegensatz zu den Honigbienen (und wie bei den Wespen) hat dieser Stachel keinen Widerhaken und bleibt daher nicht in der Haut der Gestochenen stecken. Das bedeutet auch, dass eine Hummel den Stich überlebt. Trotzdem stechen Hummeln äußerst selten und gelten unter ihren mit Stacheln bewehrten Verwandten als die friedlichsten.

Hummeln stechen eigentlich nur, wenn sie sich in Lebensgefahr befinden, etwa, wenn man sie mit der Hand schlägt und ihr Körper dabei gequetscht wird. Und entgegen anders lautender Behauptungen: Hummeln beißen nicht. Dieser Eindruck kann entstehen, wenn Hummeln sich mit ihren Mundwerkzeugen an einem Angreifer oder einer Angreiferin festhalten, um besser zustechen zu können.

Wenn Hummeln einen Angriff auf ihr Nest befürchten, greifen sie nicht sofort an, sondern legen sich zunächst auf den Rücken und geben ein deutliches Brummen als Warnung von sich. Darauf sollte man reagieren, denn wenn darauf kein Rückzug erfolgt, können auch Hummeln attackieren. Die verschiedenen Hummelarten sind unterschiedlich angriffslustig. Von Hummelnestern sollte man also in jedem Fall Abstand halten.

Für wen ist ein Hummelstich gefährlich?

Der Stich einer Hummel ist für die meisten Menschen unangenehm, aber ungefährlich. Die Haut an der Einstichstelle schmerzt und kann anschwellen, beruhigt sich aber in der Regel schnell wieder. Mit einer entscheidenden Ausnahme: Für Menschen mit einer Insektengiftallergie besteht auch bei Hummelstichen die Gefahr einer allergischen Reaktion, die (wenn auch selten) sogar lebensgefährlich sein kann.

Bei einer Allergie reagiert der Körper stark auf ein bestimmtes Allergen, zum Beispiel Erdnüsse oder Kuhmilch. Das können lokal begrenzte Reaktionen wie eine Rötung der Haut sein oder schwere Reaktionen am ganzen Körper, so genannte anaphylaktische Reaktionen. Sie reichen von Quaddeln mit Juckreiz bis zum anaphylaktischen Schock mit Atem- und Kreislaufstillstand.

Allergie gegen Hummelgift

Hummeln geben beim Stich ein Gift ab, das Eiweißstoffe enthält. Im Falle einer Allergie bekämpft das Immunsystem diese Eiweißbestandteile des Gifts. Die Allergie entwickelt sich meist über längere Zeit. Das heißt, eine Person kann mehrmals gestochen werden, ohne dass der Körper auffällig reagiert. Ganz plötzlich entsteht dann oft eine Sensibilität gegenüber dem Gift. Allergien gegen Bienen- und Wespengift sind aber viel häufiger als gegen Hummelgift. Und selten ist man nur gegen Hummelgift allergisch: Menschen, die auf Hummelgift reagieren, sind meist auch gegen Bienengift allergisch.

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Was tun nach einem Stich?

Das Risiko, überhaupt gestochen zu werden, können Sie verringern: Nicht barfuß durch blühende Wiesen, Obstgärten, in der Nähe von Beeten oder im Garten laufen, bei der Begegnung mit einer Hummel oder anderen Stechimmen schnelle Bewegungen unterlassen und sich von Hummel- und Wespennestern oder Bienenkörben fernhalten. Ist es doch passiert, warten Nicht-Allergiker und -Allergikerinnen die Heilung ab und kühlen die Einstichstelle für eine rasche Linderung.

Ein Kleinkind kniet mit einem Korb auf einer Wiese mit blühendem Rotem Wiesenklee und beobachtet aus etwa zwei Metern Entfernung eine Hummel, die an einer Kleeblüte Nektar saugt.

© iStock / ginew

Hummeln lassen sich gefahrlos beobachten, wenn man sich ruhig verhält und genügend Abstand hält.

Sofortmaßnahmen für Allergiker

Menschen mit einer Insektengiftallergie sollten ein Notfallset bei sich tragen, wenn sie sich im Freien aufhalten. Es enthält eine Adrenalinspritze, eine Tablette oder einen Saft mit Kortison und ein Antihistaminikum, ein spezielles Medikament gegen allergische Reaktionen.

Nach einem Stich ist es wichtig, sofort zu reagieren:

  • Bei leichten Beschwerden zuerst die Tablette mit dem Antihistaminikum
  • Bei starken Hautreaktionen anschließend das Kortisonpräparat einnehmen.
  • Bei Atemnot, Kreislaufproblemen oder Schwellungen im Mund- und Rachenraum Adrenalin in den Oberschenkelmuskel spritzen.

Es ist hilfreich, umstehende Personen auf sich aufmerksam zu machen und diese um Hilfe zu bitten. Anhaltende Atemnot oder ein anaphylaktischer Schock sind ein Fall für den Notruf 112.

Hyposensibilisierung, um zukünftige allergische Reaktionen abzumildern

Um allergischen Reaktionen langfristig vorzubeugen, kann eine spezielle Immuntherapie helfen, die sogenannte Hyposensibilisierung. Dabei wird in regelmäßigen Abständen eine geringe Dosis des Insektengiftes unter die Haut gespritzt. Das Immunsystem gewöhnt sich allmählich an das Allergen und der Körper reagiert nach einiger Zeit nicht mehr so stark auf das Insektengift. Die Hyposensibilisierung dauert drei bis fünf Jahre.

Die stechende Verwandtschaft der Hummeln

Bienen: Die vielen Wildbienenarten zeigen unterschiedliche Verhaltensweisen. Die Honigbiene, eine Verwandte der Hummel, ist scheu und greift nur an, wenn sie sich bedroht fühlt oder der Bienenstock in Gefahr ist. Wenn wir sie in Ruhe lassen, lässt sie uns auch in Ruhe. Ein Bienenstich bedeutet für die Biene den Tod. Ihr Stachel ist mit Widerhaken versehen und beim Versuch, sich nach einem Stich zu befreien, bleibt fast immer der gesamte Stechapparat in der Haut stecken. Dabei wird viel Gift in die Einstichstelle freigesetzt und die Honigbiene stirbt bald danach. Bienengiftallergien sind relativ häufig: Bis zu 3,5 Prozent der Bevölkerung sind davon betroffen.

Wespen: Es gibt zahlreiche Wespenarten, von denen wir die meisten nie zu Gesicht bekommen. Wenn wir von Wespen sprechen, meinen wir in der Regel die Gemeine Wespe (Vespula vulgaris) oder die Deutsche Wespe (Vespula germanicus). Diese beiden Wespenarten sind es, die uns am Kaffeetisch im Freien mit ihrer Lust nach Süßem oder Herzhaftem auf die Nerven gehen. Diese beiden Wespenarten sind verteidigungsfreudig und gelten als die aggressivsten unter den Stechimmen. Wenn wir uns ruhig verhalten, bleiben wir trotzdem verschont. Allergische Reaktionen auf Wespengift sind so häufig wie auf Bienengift.

Hornissen: Allein ihre Größe flößt Respekt ein. Hornissen sind die größten Vertreter der Stechimmen. Aber auch sie stechen nie grundlos und sind noch scheuer als Bienen. Hornissen verteidigen sich nur im äußersten Notfall und ergreifen lieber die Flucht. Außerdem sind sie in Deutschland streng geschützt. Weder dürfen sie getötet noch ihre Nester zerstört werden. Das bedeutet auch, dass für die Beseitigung eines Nestes eine Genehmigung der Naturschutzbehörde erforderlich ist. Wie bei den Hummeln sind Allergien gegen Hornissengift selten. Wer auf Hornissengift allergisch reagiert, reagiert meist auch auf das Gift der Wespe.

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