Psychologie
So managen Sie einen Krankenhausaufenthalt von Angehörigen
Veröffentlicht am:18.07.2023
4 Minuten Lesedauer
Wenn Angehörige, wie ein Elternteil, überraschend stationär eingeliefert werden, sind die meisten Notfallkontaktpersonen schnell überfordert. Dieser Wegweiser bietet eine Richtlinie und Hilfestellung für den kommenden Krankenhausaufenthalt.
Was ist die Aufgabe von Angehörigen?
Ein plötzlicher Krankenhausaufenthalt stellt die Welt der Betroffenen auf den Kopf – und stürzt ihre Familie in ein Gefühlschaos. In der Regel sind die Angehörigen berufstätig und auf die neue, emotional angespannte Situation nicht vorbereitet. Wie geht es weiter? Was muss unternommen werden?
Eine Übersicht der anstehenden Aufgaben für Angehörige:
- Besorgen Sie die Telefonnummern und Durchwahlen der wichtigsten Akteure im Krankenhaus. So haben Sie zu jeder Zeit die Möglichkeit, eine zuständige Person zu kontaktieren, um nach einer aktuellen Berichterstattung zu fragen.
- Verschaffen Sie sich einen umfassenden Eindruck von der Lage.
- Suchen Sie das Gespräch mit den behandelnden Ärzten und Ärztinnen. Die Zeit von ärztlichem Personal ist fast immer knapp. Vermeiden Sie trotzdem „Flurgespräche“ zwischen Tür und Angel. Bitten Sie stattdessen um einen Termin. Der Arzt oder die Ärztin sollte Ihre Fragen in Ruhe beantworten können.
- Reden Sie mit dem Pflegepersonal. Auch hier gilt es, einen verhältnismäßig ruhigen Moment abzupassen. Sobald Sie mit den Abläufen in der Klinik etwas vertraut sind, werden Sie sehen, wann die beste Zeit für ein kurzes Gespräch gekommen ist.
- Kontaktieren Sie außerdem den Sozialdienst. Der Sozialdienst ist Ihr Ansprechpartner für alle Fragen zur Versorgung des Patienten nach dem Krankenhausaufenthalt. Dies ist vor allem dann wichtig, wenn abzusehen ist, dass nach dem Krankenhausaufenthalt Pflege notwendig ist.
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1. Sich informieren
Erkundigen Sie sich auf der Station nach Personen, die Ihnen regelmäßig Auskunft über den Gesundheitszustand Ihres Familienmitglieds erteilen können. Eine gute Informationsquelle kann auch die Internetseite des Krankenhauses sein. Hier finden Sie speziell für Patienten, Patientinnen und Angehörige wichtige Ansprechpartner und Telefonnummern zu unterschiedlichen Themen. Außerdem gibt es Informationen über Zeiten und Abläufe. Wenn Sie die Regeln und Strukturen im Haus kennen, können Sie sich als Angehöriger besser einfinden.
2. Wichtige Unterlagen vorlegen
Kommt ein Angehöriger plötzlich in die Klinik, sollten Sie die für das Krankenhaus wichtigsten Unterlagen schnell griffbereit haben. Das sind:
- Personalausweis oder Reisepass
- Krankenversicherungskarte
- Namen, Adressen und Telefonnummern der Angehörigen
- Name, Adresse und Telefonnummer des Haus- und/oder Facharztes
- eine Liste der Medikamente, die der Patient oder die Patientin regelmäßig einnimmt
- Arzt- oder Krankenhausbefunde
- Impfpass
- falls vorhanden: Allergie- oder Diabetespass
- falls vorhanden: Organspendeausweis
3. Vollmachten vorweisen
Ärzte und Ärztinnen unterliegen der Schweigepflicht. Sie dürfen Angehörigen eigentlich keine Auskünfte über den Gesundheitszustand der behandelten Personen geben. In der Regel tun sie es trotzdem, sofern der Patient oder die Patientin es nicht ausdrücklich ausgeschlossen hat. Auf der sicheren Seite sind Sie aber mit einer Patientenverfügung oder einer Vorsorgevollmacht. Diese Dokumente legitimieren Angehörige als Ansprechpartner und Ansprechpartnerinnen für ärztliches Personal sowie Pflegepersonal.
Verfügungen und Vollmachten
Hier informiert Sie die AOK über Dokumente, Vollmachten und Patientenrechte.
4. Entlassungsmanagement
Zeichnet sich ab, dass Ihr Familienmitglied nach Abschluss des Krankenhausaufenthalts pflegebedürftig ist, sollten Sie die Pflege rechtzeitig planen. Ziel des Entlassmanagements ist es, einen nahtlosen Übergang vom Krankenhaus in eine angemessene Anschlussversorgung zu schaffen. Darum kümmert sich der Sozialdienst des Krankenhauses in Zusammenarbeit mit Ärzten und Ärztinnen, dem Pflegepersonal und Angehörigen. Die genauen Abläufe sind aber von Krankenhaus zu Krankenhaus verschieden. Wichtig: Die betroffene oder die bevollmächtigte Person muss dem Entlassmanagement zustimmen.
5. Am Entlassungsgespräch teilnehmen
Wenn Ihr Familienmitglied nichts dagegen hat: Nehmen Sie am Entlassungsgespräch mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin teil. Bei dem Termin werden alle bisherigen und geplanten Maßnahmen besprochen. Das alles ist auch in dem Entlassungsbrief dokumentiert, den die Klinik dem Patienten oder der Patientin neben den nötigen Verordnungen und dem Medikationsplan aushändigt. So wird die weitere Versorgung gesichert.
Das können Sie zu einem erfolgreichen Entlassungsmanagement beitragen
Nach einem längeren Krankenhausaufenthalt folgt meist eine Pflegesituation, zum Beispiel im Falle eines Schlaganfalls. Diese Übergangsphase ist für viele Angehörige nicht leicht. Das richtige Management kann Ihnen dabei helfen, die notwendigen Maßnahmen einzuleiten.
- Sprechen Sie Ärztinnen und Ärzte sowie den Sozialdienst frühzeitig auf das Thema Pflege nach dem Krankenhausaufenthalt an.
- Nehmen Sie kurzzeitige Arbeitsverhinderung in Anspruch. Das heißt: Lassen Sie sich vom Arbeitgeber für bis zu zehn Tage freistellen, damit Sie die Pflege organisieren können.
- Vereinbaren Sie einen ersten Termin mit einem Pflegeberater oder einer Pflegeberaterin der zuständigen Krankenkasse – am besten für einen Besuch im Pflegeumfeld.
- Ist eine häusliche Pflege geplant? Dann setzen Sie sich mit anderen Familienmitgliedern sowie Freunden und Freundinnen zusammen. Überlegen Sie gemeinsam, wer künftig welche Aufgaben übernehmen könnte.
- Planen Sie notwendige Maßnahmen für pflegegerechtes Wohnen und die Anschaffung von Hilfsmitteln. Dabei hilft Ihnen der AOK-Pflegeberater oder die AOK-Pflegeberaterin, aber auch der Sozialdienst des Krankenhauses.
Die AOK an Ihrer Seite
Bei der Pflegeberatung der AOK erhalten Sie individuelle und professionelle Hilfe, um die optimale Pflege für Ihr Familienmitglied zu organisieren.
Werfen Sie auch einen Blick in den Familiencoach Pflege der AOK. In diesem Online-Selbsthilfe-Programm können Sie lernen, wie sich am besten vor Überlastung schützen.