Zähne
Zahnpflege bei chronischen Erkrankungen
Veröffentlicht am:04.04.2025
4 Minuten Lesedauer
Wer an einer chronischen Krankheit wie Rheuma oder Diabetes leidet, hat häufig auch mit einem trockenen Mund, Zahnfleischentzündungen und chronischen Zahnschmerzen zu tun. Eine gute Zahnpflege und regelmäßige Zahnarztbesuche beugen vor.

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Mundprobleme bei chronischen Erkrankungen
Zahnschmerzen können unerträglich sein. Auch Beschwerden an Zahnfleisch oder Zunge sind oft sehr unangenehm – die besonders sensible Schleimhaut im Mund kann gut tasten und schmecken, reagiert aber auch empfindlich auf Störungen. Besonders quälend sind dauerhafte Beschwerden wie chronische Zahnschmerzen, anhaltende Mundtrockenheit und chronische Zahnfleischentzündungen. Gute Zahnpflege und regelmäßige Kontrolluntersuchungen lohnen sich daher.
Das gilt besonders für Menschen mit chronischen Erkrankungen. Wer etwa Diabetes oder Rheuma hat, leidet besonders häufig unter Problemen im Mund. Das hängt mit den Grunderkrankungen zusammen: Entzündungsprozesse im Körper, manche Medikamente sowie Gewebeschäden infolge der Krankheit führen zu einem erhöhten Risiko für chronische Zahnfleischentzündungen, schlecht heilende Wunden und andere Probleme, die ihrerseits das Krankheitsgeschehen verstärken können.
Wie das zusammenhängt und was Sie tun können, erfahren Sie hier.
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Warum ist der Mund so trocken?
Viele Menschen mit Diabetes oder einer rheumatischen Erkrankung haben einen trockenen Mund. Das klingt wenig dramatisch, kann aber ziemlich unangenehm sein – und gesundheitliche Folgen haben. Es wird zu wenig Speichel gebildet. Warum das so ist, weiß man nicht ganz genau. Wahrscheinlich spielen mehrere Mechanismen eine Rolle.
Bei Diabetes führt der hohe Zuckerspiegel im Blut zu einer vermehrten Wasserausscheidung; für die Speichelproduktion fehlt dann Flüssigkeit. Die hohe Zuckerkonzentration findet sich auch im Speichel selbst und macht ihn zähflüssig. Außerdem schädigt eine langjährige Zuckererkrankung kleine Blutgefäße und Nerven und beeinflusst so die Speichelproduktion.
Bei Rheumaerkrankungen spielen Autoimmunprozesse eine große Rolle. Diese können auch eine chronische Entzündung des Zahnfleisches und der Speicheldrüsen verursachen. Besonders ausgeprägt ist das beim Sjögren-Syndrom; einer Autoimmunkrankheit, die vor allem Speichel- und Tränendrüsen angreift und auch in Kombination mit einer rheumatoiden Arthritis auftreten kann.
Zusätzlich beeinträchtigen manche Medikamente die Speichelproduktion.
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Chronische Zahnfleischentzündung
Zahnfleischentzündung (Gingivitis) ist eine bekannte Komplikation bei Diabetes und Rheuma. Zu den Risikofaktoren zählen hohe Zuckerwerte und immunsupprimierende Medikamente.
Wichtig zu wissen: Je besser die Erkrankung behandelt wird, also je besser Blutzucker oder Entzündungsprozesse kontrolliert sind, umso besser geht es (auch) dem Zahnfleisch. Umgekehrt gilt: Je gesünder das Zahnfleisch, desto besser lassen sich chronische Erkrankungen kontrollieren. Denn auf Entzündungen im Mund reagiert der Körper mit einer generellen Entzündungsreaktion. Entzündungsstoffe schwimmen dann im Blut und lösen auch an anderen Stellen im Körper krankhafte Prozesse aus.
Rheumamedikamente wie zum Beispiel Methotrexat oder schlecht eingestellte Zuckerwerte bei Diabetes erhöhen auch die Wahrscheinlichkeit für schlecht heilende Wunden im Mund. Viele Bakterien und Pilze vermehren sich dann besonders gut. So können schmerzhafte Geschwüre oder auch ausgedehnte Pilzinfektionen auf der Mundschleimhaut entstehen wie Soor, der sich durch weiße Plaques bemerkbar macht und ebenfalls stark schmerzen kann.
Zahnschmerzen bei chronischen Erkrankungen
Die Zähne selbst sind von diesen Veränderungen nicht unbedingt betroffen. Allerdings können eine starke Zahnfleischentzündung, die auf den Halteapparat der Zähne übergeht, (Parodontitis) und ausgeprägte Mundtrockenheit das Kariesrisiko erhöhen. Auch hohe Zuckerkonzentrationen im Speichel bei Diabetes bieten Kariesbakterien Nahrung.
Eine chronische Zahnfleischentzündung kann außerdem zu einem Rückgang des Zahnfleisches führen und die Zahnhälse freilegen. Die Zähne werden dadurch empfindlich gegen Kälte, Hitze und Säure. Mit der Zeit wird auch der Zahnhalteapparat angegriffen und es können Zähne ausfallen.
Zahnschmerzen sollten immer ein Grund sein, die Zahnärztin oder den Zahnarzt aufzusuchen. Bei chronischen Erkrankungen gilt das erst recht. Vergessen Sie in diesem Fall nicht, die Praxis über Ihre Erkrankung zu informieren. So kann das Behandlungsteam die Symptome besser einordnen.

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Was Sie tun können
Zum Glück können Sie selbst einiges für Ihre Mundgesundheit tun.
- Pflegen Sie Ihre Zähne gut! Putzen Sie mindestens zweimal täglich die Zähne sorgfältig und reinigen Sie mindestens einmal täglich die Zahnzwischenräume mit Zahnseide und Interdentalbürstchen. Lassen Sie sich die richtige Pflege in Ihrer Zahnarztpraxis zeigen. Ist es für Sie schwierig oder schmerzhaft, die Zahnbürste richtig zu halten, steigen Sie auf eine elektrische mit dickem Griff um.
- Lassen Sie regelmäßig eine Professionelle Zahnreinigung (PZR) in Ihrer Zahnarztpraxis durchführen. Dabei werden besonders die Zahnhälse und die Zahnzwischenräume ausführlich gereinigt – also die Bereiche, an die die Zahnbürste nicht hinkommt.
- Nehmen Sie regelmäßige zahnärztliche Kontrollen wahr. Gerade bei chronischen Erkrankungen ist es wichtig, Komplikationen im Mund frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
- Verzichten Sie auf das Rauchen. Zigaretten, Zigarren und Co. beeinträchtigen die Abwehr der Mundschleimhaut und erhöhen so Ihr Risiko für Entzündungen im Mund zusätzlich. Das gilt übrigens auch für Kautabak.
- Ernähren Sie sich gesund. So schaffen Sie gute Voraussetzungen für eine fitte Immunabwehr. Meiden Sie Nahrungsmittel, die die Entzündungsvorgänge im Körper weiter befeuern, wie unter anderem auch stark zuckerhaltige Getränke und Nahrungsmittel.
- Holen Sie sich bei Problemen im Mund zügig professionelle Hilfe. Ihre Zahnarztpraxis behandelt die Beschwerden und ergreift Maßnahmen, um eine Verschlimmerung zu verhindern.
Tipps für ein gesundes Zahnfleisch
Entzündetes Zahnfleisch kann weh tun und im schlimmsten Fall zum Verlust von Zähnen führen. Gute Mundpflege schützt vor Zahnfleischentzündung.