Fit im Alter
Gleichgewichtsübungen: So bleiben Sie in Balance
Veröffentlicht am:19.01.2021
7 Minuten Lesedauer
Damit der Körper im Gleichgewicht bleibt, ist das Zusammenspiel zahlreicher Informationen nötig. Im Alter gerät dieses Zusammenspiel schon einmal ein bisschen durcheinander und man kommt öfter ins Wanken. Mit einfachen Gleichgewichtsübungen lässt sich die Balance aber einfach zu Hause trainieren.

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So funktioniert das Gleichgewicht
Um das Gleichgewicht zu halten, benötigt der Mensch zahlreiche Informationen, die ihm seine Sinne liefern. Dazu gehören vor allem das Sehen und die Gleichgewichtsorgane, die jeweils links und rechts im Innenohr sitzen. Aber auch das Einschätzen der eigenen Position im Raum gehört dazu. Diese liefert das sogenannte propriozeptive System.
Unser Gleichgewichtssystem im Hirnstamm errechnet die Position des eigenen Körpers im Raum und gleicht diese mit den aktuellen Bewegungsabläufen ab. Sind Korrekturen nötig, gehen ausgehend von diesen Informationen Befehle an die Muskeln, die dann für unsere Balance sorgen, indem sie gegebenenfalls Korrekturbewegungen vornehmen.
Häufige Ursache für Disbalance: Schwindel
Ab und an geraten wir jedoch aus dem Gleichgewicht. Einer der Hauptgründe ist Schwindel. Dieser kommt im Alter häufiger vor, was zu Problemen mit dem Gleichgewicht und in der Folge häufiger zu Stürzen führt. Am häufigsten ist der gutartige periphere paroxysmale Lagerungsschwindel (BPPV). Medikamente können als Nebenwirkung ebenfalls Schwindel auslösen.
Erkrankungen mit dem Leitsymptom „Schwindel“ sind im Alter sehr häufig, wie die Deutsche Ärztezeitung berichtet. Demnach ist bei Patienten, die über 75 Jahre alt sind, das Gefühl von Schwindel das am häufigsten auftredende Krankheitsbild. Bei 80-Jährigen leidet jeder zweite Patient unter Schwindelgefühlen.
Schwindel betrifft aber auch die jüngere Generation: So suchen rund 20 Prozent der über 60-Jährigen mindestens einmal im Jahr aufgrund dessen den Arzt auf. Patienten, die unter Schwindelanfällen leiden, sind im Alltag stark beeinträchtigt und trauen sich nicht mehr alles zu. Darunter leidet vor allem die Lebensqualität und die Mobilität.
Übungen für mehr Sicherheit im Alltag
Die Behandlung bei Gleichgewichtsstörungen im Alter bedarf einer komplexen Therapie: Ursachen müssen gefunden werden und ein gezieltes Gleichgewichtstraining steht auf dem Plan.
Neben der Behandlung von Ursachen können Gleichgewichtsübungen helfen, wieder mehr Sicherheit im Alltag zu gewinnen. Darauf deutet auch eine Studie hin, in der überprüft wurde, wie sich Gleichgewichtsübungen auf die Alltagsmobilität von über 60-jährigen Osteoporose-Patientinnen auswirken.
Die Teilnehmerinnen absolvierten drei Monate lang einmal pro Woche ein 90-minütiges Bewegungsprogramm. Im Vergleich zu einer Kontrollgruppe verbesserte sich die sensomotorische Leistungsfähigkeit nach kurzer Zeit deutlich. Balancetraining hilft auch, Gangunsicherheiten zu verbessern, wenn man an chronischen Erkrankungen wie beispielsweise Multipler Sklerose oder Parkinson leidet.
So trainieren Sie das Gleichgewicht
Mit verschiedenen Übungen lässt sich das Gleichgewicht wunderbar trainieren. Dies ist mit und ohne Geräte möglich. Geräte sind nicht zwingend nötig, können jedoch die Effektivität der Übungen erhöhen oder dabei helfen, den Schwierigkeitsgrad zu variieren. Übungen mit Geräten sollten Sie allerdings zunächst unter der Anleitung eines Trainers erlernen, bevor Sie sie zu Hause allein durchführten.
Folgende Geräte eignen sich für Gleichgewichtsübungen:
- Pilatesball: kleiner, aufblasbarer, elastischer Ball mit einer rutschfesten Oberfläche, der im Durchschnitt mit 120 kg belastet werden kann
- Gymnastikball: sehr belastbarer, großer aufblasbarer Kunststoffball
- BOSU: beidseitig benutzbares Balancegerät mit einer gewölbten elastischen Oberseite und einer flachen festen Unterseite
- Pilatesrolle: etwa 90 × 15 cm große Schaumstoffrolle, die sich ausgezeichnet zum Trainieren der Rückenmuskulatur eignet
Fünf Gleichgewichtsübungen für den Alltag
Wichtig vorweg: Viele Menschen scheuen Gleichgewichtsübungen, weil sie Angst haben, zu stürzen. Deshalb sollten Sie langsam vorgehen, sich die Übungen genau anschauen und das Training langsam steigern. Bereits nach kurzer Zeit werden Sie feststellen, dass Übungen, die anfangs noch schwierig waren, immer einfacher werden. Folgende Übungen lassen sich einfach in den Alltag integrieren:
1. Kniebeugen mit Abstützen 2. Zehengang mit Abstützen 3. Einbeinstand mit Abstützen 4. "Achten gehen" 5. Treppe steigen