Ist gutes Sterben möglich? – Gesundheitsfrequenzen der AOK Niedersachsen gehen in die zweite Runde

Inhalte im Überblick
Das Lebensende gestalten – Ist gutes Sterben möglich?

„Viele Menschen haben Angst vor dieser letzten Lebensphase. Angst davor, in einem sterilen Krankenhaus oder in einer anonymen Einrichtung, angeschlossen an lebenserhaltende Apparaturen, das zu verlieren, was vorher am wichtigsten war: Selbstbestimmtheit, Freiheit und Würde“, so Dr. Peter in seiner Begrüßung.
Der Veranstaltungstitel „Das Lebensende gestalten – Ist gutes Sterben möglich?“ war Anlass für unterschiedliche Betrachtungen auf das immer noch tabuisierte Thema Sterben, Tod und Trauer in unserer Gesellschaft. Der Moderator Martin Brüning führte gewohnt pointiert durch den Abend.
Im Spannungsfeld zwischen wissenschaftlichen und religiös-philosophischen Vorträgen bewegten sich Prof. Dr. Lukas Radbruch, Direktor der Klinik für Palliativmedizin am Universitätsklinikum und Leiter des Zentrums Palliativmedizin am Malteser Krankenhaus in Bonn, sowie die Theologin und ehemalige Landesbischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers Dr. Margot Käßmann. Anregungen aus der Praxis gab Heike Metje, Mitarbeiterin des Ambulanten Palliativ- und Hospizdienstes Hannover.
„Ein Arzt müsse zuletzt auch das Sterben zulassen“

Ethische Aspekte der Hospiz- und Palliativmedizin stellte Prof. Dr. Radbruch in den Mittelpunkt seines Vortrags. Wie können Patienten Fürsorge erfahren und gleichzeitig ihre Autonomie behalten? Wichtig für den letzten Lebensweg sei die frühe Einbindung eines Palliativmediziners, der die Selbstbestimmung des Patienten im Blick hat. Ein Arzt müsse zuletzt auch das Sterben zulassen, wenn der Patient keine lebenserhaltenden Maßnahmen wünscht, so Prof. Dr. Radbruch.
„Der Tod dürfe kein Tabu sein“

Dr. Margot Käßmann plädierte in ihrem Vortrag für einen offenen Umgang mit Sterben und Tod in unserer Gesellschaft. Der Tod dürfe kein Tabu sein, so Dr. Käßmann. Deshalb sei es wichtig, mit seinen Angehörigen zu sprechen und auch wichtige Vorkehrungen wie eine Patientenverfügung in Betracht zu ziehen. Ebenso seien Rituale im Umgang mit dem Tod ein wichtiges Mittel gegen ein Sterben in Einsamkeit.
Künstlerische Begleitung

Künstlerisch begleitet wurde das Abendprogramm durch den Hannoveraner Künstler David Tollmann, der Licht und Schattenseiten des letzten Lebenswegs passend zu den Vorträgen in einem Bild festhielt.
„Umdenken in der Gesellschaft“

Eindrücke aus der täglichen Arbeit im ambulanten Palliativ- und Hospizdienst gab Heike Metje: Es fände ein Umdenken in der Gesellschaft statt. Weit mehr Menschen machten sich heute Gedanken, wie sie ihre Nächsten auf dem letzten Lebensweg aktiv begleiten und unterstützen könnten.
Zum Abschluss der Veranstaltung resümierte Dr. Jürgen Peter: „Um dem Sterben aktiv zu begegnen, ist eine gewisse Lebensklugheit unabdingbar – in Bezug auf den eigenen Tod und den offenen Umgang hiermit und in Bezug auf die Akzeptanz durch Angehörige. Eine würdevolle, menschliche Versorgung am Lebensende muss einen genauso hohen Stellenwert haben, wie medizinische Therapien zur Gesunderhaltung und Heilung“.
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