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Gesundheitsmagazin

Verdauungssystem

Blähungen bei Babys: Woher kommen sie?

Veröffentlicht am:17.08.2021

6 Minuten Lesedauer

Aktualisiert am: 06.05.2024

Viele Babys leiden unter Blähungen. Aber warum? Sollten Mütter in der Stillzeit bestimmte Nahrungsmittel meiden? Ernährungsexpertin Dr. Petra Schulze-Lohmann von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) klärt auf.

Eine Mutter massiert vorsichtig den Bauch ihres Babys, das an Blähungen leidet.

© iStock / Prostock-Studio

Viele Babys leiden unter Blähungen – liegt es an bestimmten Lebensmitteln?

Kann sein, muss aber nicht sein,“ sagt Dr. Petra Schulze-Lohmann, Ernährungswissenschaftlerin bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). „Tatsache ist aber, dass jeder fünfte bis siebte Säugling in den ersten drei Monaten häufig unter Blähungen leidet.“

Verdauungsprobleme seien jedoch meist nicht die Ursache für die Blähungen, mit denen viele Säuglinge in der ersten Lebensphase zu kämpfen haben. „Man sollte daher erstmal nicht davon ausgehen, dass zwingend Lebensmittel die Ursache für Blähungen sind. Die meisten blähenden Substanzen von Lebensmitteln gehen gar nicht in die Muttermilch über“, beruhigt Dr. Schulze-Lohmann junge Eltern.

Vielmehr läge es häufig daran, dass Babys während des Stillens oder bei der Flaschenmahlzeit Luft schluckten – das könne bei hastigem Trinken schnell passieren. Auch beim Schreien verschlucken die Kleinen oft Luft. So können sich laut der Expertin Luftblasen im Magen-Darm-Bereich bilden, die dort im wahrsten Wortsinn feststecken und Symptome hervorrufen, die sehr unangenehm sein können – wie jeder weiß, der schon einmal zu schnell kohlensäurehaltige Getränke getrunken hat. Bis zum befreienden Aufstoßen kann das auch bei Erwachsenen Bauchschmerzen verursachen.

Auf ihre Ernährung achten sollten stillende Mütter trotzdem. Zum einen, weil der Bedarf an Nährstoffen von Müttern und Babys in dieser Zeit sehr hoch ist – und auch, weil intensive Aromen wie etwa Knoblauch und Spargel nachweislich auf die Muttermilch übergehen können. „Isst eine Mutter viel Spargel, lehnen Babys die Milch unter Umständen bei der nächsten Mahlzeit schlichtweg ab“, sagt die Ernährungsexpertin. Bei Säuglingen entwickele sich das Verdauungssystem noch. Es lerne erst nach und nach, mit allen Stoffen umzugehen, die aus der Muttermilch kommen.

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Wie sehr beeinträchtigen Blähungen das Baby?

„Durch Blähungen fühlen sich viele Babys sehr unwohl, das ist mit Sicherheit so“, sagt Petra Schulze-Lohmann. „Dass Blähungen entstehen, ist zunächst einmal nicht schlimm, aber wenn die Luft im Bauch festsitzt, beeinträchtigt das natürlich das Wohlbefinden der Babys.“ Dazu komme, dass auch die Eltern mitleiden: Babys teilen ihren Eltern ihre Gefühle oft lautstark mit und lassen sich manchmal nur schwer beruhigen. Dr. Schulze-Lohmanns Tipps für gestresste Mütter und Väter: „Sprechen Sie das Thema bei Bedarf bei Ihrem Kinderarzt oder Ihrer Kinderärztin bei einer der ersten U-Untersuchungen an.“

Sollten Mütter bestimmte Nahrungsmittel meiden?

„Nein, genau das sollten Mütter nicht“, sagt Petra Schulze-Lohmann, denn „in der Stillzeit ist der Bedarf an Nährstoffen von Baby und Mutter unglaublich hoch. Gerade Vollkornprodukte oder Gemüse sind beispielsweise Lebensmittel, von denen man denkt, dass sie Blähungen verursachen.“ Genau diese Lebensmittel seien es aber, die viele Nährstoffe enthalten und jetzt verstärkt gebraucht würden.

Für stillende Mütter, die beispielsweise gerne Kohl essen, hat die DGE-Expertin folgenden Tipp: „Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Kind nach dem Verzehr von Grünkohl oder Wirsing vermehrt Blähungen hat, dann sollten Sie das beobachten und vielleicht auf eher milde Kohlsorten wie Brokkoli oder Blumenkohl umsteigen.“ Oder: Alte Hausmittel wie Kümmel oder Fenchel bei der Zubereitung der Mahlzeiten verwenden. Manchmal reiche es auch, den Kohl zwei Wochen lang wegzulassen und es dann wieder zu versuchen. Da die Entwicklung stetig vorangehe und sich das Verdauungssystem von Babys daher täglich verändere, könne es gut sein, dass Dinge, die vor zwei Wochen noch unmöglich schienen, plötzlich keine große Sache mehr sind.

Hat ein Baby jedoch häufig starke Blähungen, rät Petra Schulze-Lohmann dazu, das Baby genau zu beobachten und im Zweifelsfall zum Kinderarzt oder zur Kinderärztin zu gehen.

Empfehlenswerte Lebensmittel für junge Mütter

Laut Empfehlungen von Frauenärztinnen und Frauenärzten und der „European Food Standard Agency“ (EFSA) gehören diese Lebensmittel wöchentlich auf den Speiseplan stillender Mütter:

  • eiweiß-, vitamin- und mineralstoffreiche Produkte aus Milch und Vollkorn
  • frisches Obst und Gemüse
  • fetthaltiger Seefisch (Makrele, Lachs, Hering), zwei Portionen pro Woche
  • fettarmes Fleisch oder Fleischwaren, maximal dreimal pro Woche

Jungen Eltern rät Ernährungsexpertin Petra Schulze-Lohmann: „Wenn man das Gefühl hat, dass das Kind auf irgendwelche Lebensmittel besonders reagiert, zum Beispiel durch Wundsein oder Blähungen, würde ich diese Lebensmittel zwei Wochen weglassen und dann neu ausprobieren. Aber pauschal ausschließen sollte man nichts.“ Ihr Tipp, damit Eltern nicht den Überblick verlieren, was für das Baby gerade verträglich ist und was nicht: „Führen Sie ein Ernährungstagebuch und beobachten Sie, ob es auffällige Veränderungen gibt. Für ein Gespräch mit Ihrem Kinderarzt oder Ihrer Kinderärztin sind solche Aufzeichnungen mitunter sehr wertvoll.“

Eine junge Mutter im weißen T-Shirt sitzt auf einem Sofa, hält ihr Baby im Arm und stillt es. Dabei schaut sie es liebevoll an.

© iStock / PeopleImages

Wenn Sie Ihr Kind stillen, hilft Ihnen ein Ernährungstagebuch dabei, Unverträglichkeiten Ihres Babys zu erkennen.

Blähungen bei Flaschenkindern: Was kann helfen?

Kinder, die Milch aus der Flasche bekommen, trinken oft schneller und schlucken dabei mehr Luft, was zu schmerzhaften Blähungen führen kann.

Das kann bei Flaschenernährung helfen:

  • Füttern Sie Ihr Baby möglichst so, dass der Kopf höher ist als der Rest des Körpers.
  • Stellen Sie sicher, dass keine Luft im Sauger ist, wenn Ihr Kind trinkt.
  • Testen Sie verschiedene Sauger und Flaschen, denn jedes Kind ist anders und manchmal wirkt eine kleine Formveränderung Wunder.
  • Wird oft vergessen: Ein Bäuerchen ist auch nach dem Fläschchen Pflicht.

Was Eltern tun können, um Blähungen bei Babys vorzubeugen und zu lindern

Wenn Ihr Baby schreit und Sie vermuten, dass Blähungen die Ursache sein könnten, ist es sinnvoll, „erstmal zur Ruhe zu kommen und den Bauch im Uhrzeigersinn vorsichtig zu massieren“, empfiehlt Petra Schulze-Lohmann. So bewegt sich nicht nur eventuell vorhandene Luft Richtung Darmausgang – die zärtliche Berührung beruhigt das Kind – und verhindert, dass es durch das Schreien noch mehr Luft schluckt.

Um Blähungen vorzubeugen, kann es helfen, schon während des Stillens kleine Pausen für ein Bäuerchen einzulegen – nicht nur am Ende der Stillmahlzeit. So kann die geschluckte Luft schnell entweichen, bevor sie in Magen und Darm für Schmerzen sorgt.

Auf einen Blick – das hilft gegen Blähungen bei Babys

  • Vorbeugend beim Stillen und Flasche geben Pausen für Bäuerchen machen.
  • Den Bauch um den Nabel herum im Uhrzeigersinn massieren, gerne mit für Babys geeigneter Kümmel- oder Fenchelsalbe.
  • Kleine Gymnastikübungen ausprobieren. Zum Beispiel, das Baby in Rückenlage bringen und mit seinen Beinen sanft in der Luft „Fahrrad fahren“ oder die Beine ganz vorsichtig gegen Babys Bauch drücken und wieder strecken.

Was tun, wenn nichts gegen Babys Bauchschmerzen hilft?

Erstmal tief durchatmen! Tatsächlich sind nicht immer Bauchschmerzen der Grund, weswegen Babys weinen. Lediglich fünf Prozent der Babys, die viel schreien, haben Magen-Darm-Probleme. Viel öfter sind es Regulationsstörungen, früher Dreimonatskoliken genannt. Sie beginnen meistens in der zweiten Lebenswoche und nehmen bis zur sechsten Lebenswoche zu. In der Regel dauern sie bis zum Ende des dritten Monats an, selten ziehen sie sich bis zum Ende des ersten Lebensjahres.

Dreimonatskoliken – der alte Name ist irreführend. Heute weiß man, dass diese Störungen nicht zwangsläufig auf Probleme im Magen-Darm-Trakt zurückzuführen sind. Man geht eher davon aus, dass die betroffenen Babys sich noch nicht selbst beruhigen können. Das führt zu Schlafmangel. Wenn sich Babys mit dem Einschlafen schwertun, finden sie tagsüber kaum erholsamen Schlaf und werden so zunehmend überreizt. Diese Situation kann für Eltern sehr belastend sein – was die Lage häufig noch verschlimmert. Denn wer selbst ständig übermüdet ist, kann nur schwer die Ruhe ausstrahlen, die Babys in dieser Situation brauchen.

Suchen Sie sich daher unbedingt rechtzeitig Hilfe, wenn Sie das Gefühl haben, das Schreien Ihres Babys nicht mehr aushalten zu können. Schreiambulanzen können in diesem Fall eine große Hilfe sein. Informationen zu solchen Anlaufstellen erhalten Sie bei Ihrem Jugendamt, bei Erziehungsberatungsstellen oder bei Kinderkliniken sowie in Kinderarztpraxen.

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