Furunkel oder Karbunkel in Sicht? Bloß nicht ausdrücken!

Sie sehen aus wie große Eiterpickel und sind sehr schmerzhaft: Furunkel entstehen, wenn sich ein Haarbalg und das ihn umgebende Bindegewebe entzünden. Sie können so groß wie eine Walnuss werden und fühlen sich wie harte Knoten an. Verschmelzen mehrere miteinander, entsteht ein sogenannter Karbunkel. „Für beide Varianten gilt: Finger weg! Jedes Drücken und Quetschen kann die Entzündung nur schlimmer machen“, sagt Anja Debrodt, Ärztin im AOK-Bundesverband.

Ein Mann fasst sich in den Nacken.

Meist Gesicht, Hals und Nacken betroffen

Furunkel entstehen vor allem im Gesicht, am Hals und im Nacken. Sie können sich aber auch in den Achseln oder Leisten, am Rücken, im Schambereich, am Gesäß und an den Oberschenkeln bilden. Verursacht werden sie meist durch das auf der Haut natürlich vorkommende Bakterium Staphylococcus aureus, das schon bei winzigen Verletzungen die Hautbarriere überwindet und Entzündungen verursachen kann. Normalerweise wird das Bakterium durch das körpereigene Immunsystem bekämpft. Ist dieses jedoch geschwächt – beispielsweise bei Menschen mit Diabetes oder chronisch Kranken – ist das Risiko einer Furunkelbildung größer. Insgesamt kommen Hautinfektionen zwar sehr häufig vor, doch die meisten davon haben eine andere Ursache. Nur etwa drei Prozent der Menschen, die wegen einer Hautinfektion ihre Hausärztin oder ihren Hausarzt aufsuchen, haben einen Furunkel.

Nicht anfassen

Ein Furunkel entwickelt sich binnen Stunden bis Tagen. Manchmal tritt der Eiter von allein aus und das Geschwür heilt innerhalb weniger Wochen ab. Dann bleibt keine Narbe zurück. „Verschwindet der Furunkel nicht von selbst, helfen feuchte antiseptische Wärmeumschläge oder Watteverbände mit Zugsalbe. Sie lassen den Abszess schneller reifen. Entleert er sich dann immer noch nicht von allein, muss er von einem Arzt oder einer Ärztin aufgeschnitten werden“, so Medizinerin Debrodt. „Das darf man keinesfalls selbst tun. Wer selbst an dem Geschwür herumdrückt, riskiert, dass sich die Bakterien im Körper ausbreiten und zu Komplikationen führen.“

O-Töne von Anja Debrodt, Ärztin im AOK-Bundesverband

Vorsichtig bei Furunkeln im Gesicht

Vor allem bei Furunkeln im Gesicht ist Vorsicht angesagt: Es besteht das Risiko, dass Bakterien ins Gehirn verschleppt werden und dort möglicherweise zu einer Hirnhautentzündung oder zu Blutgerinnseln in den großen Blutgefäßen führen. Der entzündete Bereich sollte deshalb ruhig gehalten werden, da Bewegung und Druck dieses Risiko erhöhen können. Kehren Furunkel immer wieder, nennt man dies Furunkulose. Das kann auf eine Grunderkrankung wie beispielsweise einen Diabetes mellitus, eine Niereninsuffizienz, einen Immunmangelzustand oder auch eine andere dermatologische Grunderkrankung wie ein Ekzem hinweisen. In der Mehrzahl der Fälle lässt sich aber keine Ursache finden.

Behandlung von Karbunkeln

Wenn mehrere Furunkel miteinander verschmelzen und die Entzündung auf das Unterhautfettgewebe übergreift, nennt man dies Karbunkel. Sie entstehen meist im Nacken oder auf dem Rücken. Es handelt sich um eine sehr ernst zu nehmende Erkrankung, bei der es meist zu einem ausgeprägten Krankheitsgefühl mit starker Abgeschlagenheit, Fieber und Schüttelfrost kommt. Außerdem besteht die Gefahr einer Sepsis.  Zur Therapie ist meist ein chirurgischer Eingriff, bei dem der Abszess eröffnet und gespült wird, nötig sowie eine antibiotische Behandlung, die meist einige Wochen dauert.

Risikofaktoren vermeiden

Vermeiden lassen sich jedoch einige Risikofaktoren. So ist es neben einer guten allgemeinen Körperhygiene wichtig, bestehende Grunderkrankungen zu behandeln. Zum Beispiel sollte ein Diabetes gut eingestellt werden.

Damit an der Nase keine entsprechenden Mikroverletzungen entstehen, in die Furunkel fördernde Krankheitskeime eindringen, entfernt man Nasenhaare am besten, in dem man sie abschneidet und nicht herauszieht. Auch sehr eng sitzende Unterwäsche, durch die ein warmes, feuchtes Milieu entsteht, begünstigt Bakterienwachstum. Ganz wichtig ist: Wer Furunkel hat, sollte immer eigene Handtücher verwenden, denn durch die gemeinsame Benutzung kann man sich auch mit Staphylococcus aureus anstecken. Eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf, regelmäßige Bewegung an der frischen Luft, Stressvermeidung, Alkohol- und Rauchverzicht sind ebenfalls sinnvoll.