Digitalisierung im Gesundheitswesen – quo vadis?
Digitalisierung war ein zentrales Anliegen der scheidenden Bundesregierung. Im Endspurt vor den vorgezogenen Neuwahlen hat sie nun noch einige wichtige Vorhaben umgesetzt. Was digitalpolitisch im Gesundheitswesen gelungen ist, stellt G+G vor.

17 Digitalvorhaben im Gesundheitswesen hat der Branchenverband Bitkom in seinem Anfang Januar 2025 veröffentlichten „Monitor Digitalpolitik" identifiziert. Zehn davon sind abgeschlossen, sieben noch in der Umsetzung. Damit hat das Ressort Gesundheit besser abgeschnitten als die Ressorts insgesamt: Von den 334 digitalpolitischen Vorhaben der Bundesregierung sind bisher 115 abgeschlossen, das entspricht einem Anteil von 34 Prozent. 184 Vorhaben (55 Prozent) werden aktuell umgesetzt und 35 (elf Prozent) sind noch nicht einmal gestartet.
Vor der Digitalisierung kommt die Digitalpolitik
Um Digitalisierung politisch voranzubringen, müssen zunächst die Rahmenbedingungen gesetzt, Gesetze und Gesetzesänderungen auf den Weg gebracht und Verordnungen beschlossen werden. Als abgeschlossen bewertet der Monitor Vorhaben, die vollständig durchgeführt wurden, wie zum Beispiel eine angekündigte und vollzogene Gesetzesänderung. Wie eine solche Gesetzesänderung wirkt und welche Effekte sie letztlich zeigt, fließt nicht in die Bewertung ein. Denn die Erfolge der Gesetzgebung beziehungsweise veränderter Rahmenbedingungen stellen sich oft erst mit deutlichem zeitlichem Abstand ein. Eine begonnene Umsetzung bedeutet, dass aktiv daran gearbeitet wird, wie zum Beispiel im Rahmen eines formellen Gesetzgebungsprozesses. Ohne nennenswerte Aktivitäten zur Umsetzung des Vorhabens wird die Maßnahme als nicht begonnen gewertet. „Es ist gut, dass die Bundesregierung in den Wochen vor der Neuwahl noch einige wichtige Projekte ins Ziel gebracht hat“, sagt Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst. „Wichtig ist, dass die neue Bundesregierung schnell ihre Arbeit auf- und die Digitalpolitik in den Fokus nimmt.“
Digitalisierungsfortschritt im Gesundheitswesen
Mit 17 Digitalvorhaben liegt der Gesundheitsbereich zahlenmäßig weit hinter den großen Ressorts Inneres & Heimat mit 74 Vorhaben und Wirtschaft & Klimaschutz mit 55 Vorhaben. Dies legt der digitalpolitische Fokus auf der Verwaltungsmodernisierung nahe. Andere Bereiche wie das Auswärtige Amt mit sieben Vorhaben stehen mit ihren Themen weniger im Fokus der Digitalisierung.
„Wichtig ist, dass die neue Bundesregierung schnell ihre Arbeit auf- und die Digitalpolitik in den Fokus nimmt.“
Präsident des Bitkom-Digitalverbandes
Wo Patientinnen und Patienten den Nutzen direkt spüren können
Mit der Gesundheitsdateninfrastruktur an Universitätskliniken soll die Translation von Spitzenforschung in die Versorgung gestärkt werden. Der standortübergreifende Austausch von Gesundheitsdaten ist dafür eine Bedingung. Telemedizinische Versorgung in der Regelversorgung zu etablieren, ist ein weiterer konkreter Nutzen. Die elektronische Patentenakte (ePA) und der Einsatz des eRezeptes sowie die Freigabe der ePA sind nicht nur gesetzgeberisch abgeschlossen, sondern auch im Einsatz und aktuell in der Pilotphase mit großer medialer und öffentlicher Aufmerksamkeit zu verfolgen. Erfolge, die die Digitalisierung im Gesundheitswesen deutlich voranbringen könnten.
Aufholjagd Digitalisierung
Ist die Aufholjagd der Digitalisierung im Gesundheitswesen damit abgeschlossen? Mitnichten. Ebenso wichtig wie die Anzahl der abgeschlossenen oder in Umsetzung befindlichen Projekte ist letztlich ihre Relevanz für das Gesundheitswesen. Der Monitor Digitalpolitik untersucht die Digitalvorhaben auf ihren Umsetzungsstand, ihre Bedeutung für die Digitalisierung von Wirtschaft, Gesellschaft und Staat und die Umsetzungskomplexität. Die Projekte sollen zielführend und effizient sein und einen hohen Nutzen für Gesundheitssystem und Patienten bringen. Dabei gelten Vorhaben als relevant, die auf mindestens eins der drei prioritären Handlungsfelder der Digitalstrategie der Bundesregierung einzahlen. Erstens: leistungsfähigere Netze für die digitale Kommunikation und Verbesserung der Daten. Zweitens: einheitliche technische Normen und Standards sowie internationales Engagement in der Standardisierung. Drittens: sichere digitale Identitäten und moderne Register für die Verwaltungen. Essentiell können auch Projekte sein, die starke Digitalisierungseffekte auslösen, obwohl sie keinem der drei Haupthandlungsfelder der Digitalstrategie zuzuordnen sind. Die Aufholjagd hat gerade erst begonnen.
Monitor Digitalpolitik
Insgesamt wurden 334 digitalpolitische Vorhaben zur Beobachtung im Monitor ausgewählt. Zum einen sind das die insgesamt 146 Vorhaben aus der Digitalstrategie der Bundesregierung. Zum anderen hat Bitkom 186 digitalpolitische Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag identifiziert. Zwei weitere Vorhaben, die sich weder im Koalitionsvertrag noch in der Digitalstrategie befinden, aber eindeutig der Digitalpolitik zuzuordnen sind, wurden ergänzt: die Abschaffung der Schriftformerfordernis bei Arbeitsverträgen und die Datenstrategie.
Der Monitor wurde im August 2023 erstmals veröffentlicht und misst quartalsweise die Fortschritte in der Digitalpolitik auf Bundesebene. Im Februar 2025 veröffentlicht Bitkom ein letztes Update mit Abschlussbericht. Damit endet der Monitor für die laufende Legislaturperiode.
Mitwirkende des Beitrags

Autorin
Datenschutzhinweis
Ihr Beitrag wird vor der Veröffentlichung von der Redaktion auf anstößige Inhalte überprüft. Wir verarbeiten und nutzen Ihren Namen und Ihren Kommentar ausschließlich für die Anzeige Ihres Beitrags. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht, sondern lediglich für eventuelle Rückfragen an Sie im Rahmen der Freischaltung Ihres Kommentars verwendet. Die E-Mail-Adresse wird nach 60 Tagen gelöscht und maximal vier Wochen später aus dem Backup entfernt.
Allgemeine Informationen zur Datenverarbeitung und zu Ihren Betroffenenrechten und Beschwerdemöglichkeiten finden Sie unter https://www.aok.de/pp/datenschutzrechte. Bei Fragen wenden Sie sich an den AOK-Bundesverband, Rosenthaler Str. 31, 10178 Berlin oder an unseren Datenschutzbeauftragten über das Kontaktformular.