Patient Erde in der Praxis
Flächen entsiegeln, Schwammstädte bauen – Kommunen können viel für den Klimaschutz tun. Damit dienen sie der Gesundheit des Planeten und der Menschen.

Das Jahr 2023 war sowohl in Deutschland als auch weltweit das wärmste seit Messbeginn 1881. Der „Planetary Health Check 2024“ zeigt zudem, dass sechs von neun sogenannten Planetaren Grenzen bereits überschritten sind. Veränderungen beispielsweise in der Landnutzung, in Süßwassersystemen und in der Biosphäre haben „den Patienten Erde“ in einen kritischen Zustand versetzt. Mit dieser Diagnose brachte Professorin Claudia Hornberg, Vorsitzende des Sachverständigenrates für Umweltfragen, einmal mehr die Dringlichkeit von Klimaschutz und Klimaanpassung auf den Punkt.
Die Biologin und Ärztin war Referentin auf der Tagung „Klimawandel, Gesundheit und Stadtplanung konsequent zusammen denken“. Die Veranstaltung der Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen und des Niedersächsischen Kompetenzzentrums Klimawandel bot eine Plattform für den ressortübergreifenden Austausch von Fachleuten aus Land und Kommunen.
„Der Klimawandel ist ein gesamtgesellschaftliches Thema, an dem alle gemeinsam arbeiten müssen.“
Mitglied des Vorstands der AOK Niedersachsen
Hitze gefährdet Alt und Jung
Hornberg warb unter anderem für Hitzeaktionspläne, wie den der Stadt Köln, der den Fokus auf über 65-Jährige lege. Ältere gehörten ebenso wie Kinder zu den Gruppen, die durch den Klimawandel großen Gefahren ausgesetzt seien. So erhöhe Hitze das Risiko für Herzinfarkte und verschlimmere Atemwegserkrankungen. Als Handlungsfeld für Kommunen sieht Hornberg unter anderem die Planung und den Bau von „Schwammstädten“ mit Flächen, die in der Lage sind, große Mengen an Wasser aufzunehmen und zeitverzögert wieder abzugeben.
Von diesem Konzept zeigte sich Christian Meyer, Umweltminister in Niedersachen, überzeugt: „Wir fördern Schwammstädte. Damit tragen wir nicht nur zur Gesundheit, sondern auch zur Artenvielfalt bei.“ Um solche Konzepte voranzubringen, müssten alle Ressorts zusammenarbeiten, betonte Meyer.
Dr. Christine Arbogast, Staatssekretärin im niedersächsischen Gesundheitsministerium, verwies auf die Bedeutung der Fachlichkeit der einzelnen Ressorts. Man dürfe sich nicht von der Komplexität der Zusammenhänge ausbremsen lassen: „Wir sollten auch kleine Fortschritte feiern.“
Prävention in Lebenswelten
Sandra Kuwatsch, Mitglied des Vorstands der AOK Niedersachsen, sieht die Gesundheitsregionen in Niedersachsen, an denen sich die Krankenkassen beteiligen, als eine mögliche Schaltstelle in Klimaschutz und -anpassung. „Der Klimawandel ist ein gesamtgesellschaftliches Thema, an dem alle gemeinsam arbeiten müssen.“ Auch die Prävention in Lebenswelten, in der sich die AOK seit langem engagiert, könne zum Klimaschutz beitragen.
Klimawandel: Kommunen machen sich auf den Weg
Das Klimaanpassungsgesetz, Mitte Juli 2024 in Kraft getreten, „setzt den strategischen Rahmen für die künftige Klimaanpassung in Bund, Ländern und Kommunen“, teilte das Bundesumweltschutzministerium damals mit. Weiter hieß es: „Die Länder sollen Sorge tragen, dass lokale Klimaanpassungskonzepte auf der Grundlage von Risikoanalysen aufgestellt werden.“ Zudem sieht das Gesetz vor, dass „Träger öffentlicher Aufgaben bei Planungen und Entscheidungen das Ziel der Klimaanpassung fachübergreifend und integriert berücksichtigen“.
Eine bundesweite, repräsentative Umfrage im Auftrag des Umweltbundesamts vom Herbst 2023 zeigte, dass zwölf Prozent der Kommunen bereits ein Klimaanpassungskonzept haben. 41 Prozent gaben an, konkrete Maßnahmen zur Klimaanpassung umgesetzt zu haben. Demnach wählen mehr als 30 Prozent der befragten Kommunen klimaangepasste Pflanzen aus, legen Bebauungsgrenzen fest, renaturieren Gewässer, legen offene Wasserflächen an und informieren die Bevölkerung über Gefahren und vorsorgende Schutzmaßnahmen.
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