„Ressourcen effizienter und besser nutzen“
Die hohe Zahl psychischer Leiden ist für die AOK ein zentrales Thema, wie Stefan Würzbach, alternierender Verwaltungsratsvorsitzender der AOK Hessen (Versichertenseite), aufzeigt.


Herr Würzbach, die AOK Hessen macht verschiedene Angebote für Menschen mit psychischen Erkrankungen. Warum ist das Thema wichtig?
Stefan Würzbach: Einer AOK-Studie zufolge ist bei 13,4 Prozent der Menschen in Hessen eine Depression diagnostiziert worden. Das ist Platz drei im Ländervergleich. Die Fehltage durch psychische Erkrankungen sind in den vergangenen zehn Jahren in Hessen um mehr als 40 Prozent gestiegen. 2014 gab es deswegen 290 AU-Tage je 100 erwerbstätige AOK-Mitglieder, 2024 waren es bereits in den ersten acht Monaten 406. Psychische Erkrankungen sind der vierthäufigste Grund für Fehlzeiten.
Welche Hilfen bietet die AOK Hessen konkret an?
Würzbach: Zunächst: Wer an einer psychischen Erkrankung leidet, benötigt professionelle ärztliche Hilfe. Die AOK übernimmt die Kosten für eine Psychotherapie. Begleitend dazu bieten wir online Unterstützung an. Das Programm „Moodgym“ beispielsweise hilft dabei, eine Depression zu überwinden. Der „Familiencoach Depression“ vermittelt fundiertes Wissen, wie der Alltag mit einem erkrankten Angehörigen bewältigt werden kann und wie Betroffene unterstützt werden können. Eingangs hatte ich die Fehlzeiten am Arbeitsplatz erwähnt. Ursachen hier können starke psychische Belastung oder Leistungsdruck sein. Die AOK Hessen zeigt Arbeitgebern Möglichkeiten auf, die Ursachen psychischer Belastungen zu reduzieren und Beschäftigten Techniken zum besseren Umgang mit belastenden Situationen zu vermitteln.
„Wer an einer psychischen Erkrankung leidet, benötigt professionelle ärztliche Hilfe.“
Alternierender Verwaltungsratsvorsitzender der AOK Hessen (Versichertenseite)
Was müsste strukturell angepasst werden?
Würzbach: Wir müssen einen zielgerichteten Zugang zu psychotherapeutischen Versorgungsangeboten erreichen. Der Ruf nach mehr Therapieplätzen ist einfach, aber die vorhandenen Ressourcen müssen zunächst besser und effizienter genutzt werden. Eine Maßnahme von vielen wäre eine verpflichtende Meldung freier Behandlungskapazitäten für Erst- und Abklärungsgespräche an die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen.
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