Neue Arzneimittel: Ohne Zusatznutzen keine Mehrausgaben
Auf dem PharmaForum 2025 warb die Branche vor allem für bessere Rahmenbedingungen, unter anderem bei der Zulassung neuer Arzneimittel. Angesichts der enormen Kostenentwicklung bei neuen Arzneimitteln trotz unvollständigem Nutzennachweis und Rückschritten in der Wirtschaftlichkeit war die Kernbotschaft von Isabella Erb-Herrmann für die AOK Hessen klar: Nur echte Innovationen dürfen mehr kosten.

AOK als Stimme der GKV beim PharmaForum
Auf dem Podium mit dem Titel „Hürden und Herausforderungen auf dem Weg zur Zulassung Die Berechtigung, zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) Leistungen zu erbringen, setzt… und Erstattung“ diskutierte Isabella Erb-Herrmann, Vorständin der AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… Hessen, mit Vertretern aus Wirtschaft und Wissenschaft sowie des Landes Hessen über angemessene Rahmenbedingungen in der Arzneimittelversorgung. Im Fokus des Austausches standen vor allem neue Wirkstoffe und deren Zulassung. Die Kernbotschaft der AOK Hessen war eindeutig: Angesichts der enormen Kostenentwicklung bei neuen Arzneimitteln müssen die bestehenden Rahmenbedingungen für den Zugang – insbesondere für Präparate mit bedingten Zulassungen – und die Preisbildung in Deutschland kritisch hinterfragt werden. Im Interesse der Solidargemeinschaft dürfen nur „echte Innovationen“ mehr kosten. Darüber hinaus gilt es, Wirtschaftlichkeitsreserven besser zu nutzen.
Kritik an fehlendem Nutzennachweis
Aufgrund beschleunigter Verfahren wächst die Anzahl der neuartigen Behandlungen, für die zum Zeitpunkt des Inverkehrbringens noch nicht nachgewiesen ist, ob sie Patientinnen und Patienten wirklich nützen. Trotzdem werden für diese Arzneimittel Nach der Definition des Arzneimittelgesetzes (AMG) sind Arzneimittel insbesondere Stoffe und… enorm hohe Preise verlangt, zum Teil mehrere Millionen Euro für eine Einmalbehandlung. Gleichzeitig muss sich bei vielen Therapieansätzen aber noch beweisen, ob es sich um „echte Innovationen“ handelt. Die Entwicklung, dass viele der neu eingeführten Arzneimittel in der Vergangenheit keine Verbesserung der Versorgungsqualität erzielten, sieht die GKV insgesamt kritisch. Von 875 geprüften Arzneimittel seit 2011 haben rund 66 Prozent keinen Zusatznutzen oder lediglich einen nicht quantifizierbaren Nutzen erzielt.
GKV-Arzneimittelkosten steigen rasant

Während im Mittel eine Packung eines Arzneimittels, das in den letzten 36 Monaten neu auf den Markt gekommen ist, Anfang 2011 noch 902 Euro kostetet, lag der Preis Anfang 2023 bei 69.270 Euro. Gen- und Zelltherapien kosten pro Behandlung zum Teil mehrere Millionen Euro. Die Kosten der Arzneimittel für neuartige Therapien (ATMP) haben sich in den letzten zehn Jahren verdreifacht. Die Kostenentwicklung insgesamt ist weiterhin stark steigend. Dafür hat auch der Gesetzgeber mit dem Arzneimittellieferengpassgesetz gesorgt. Er sollte, wenn in der Arzneimittelproduktion eine zu große Abhängigkeit vom Ausland erkannt wird, keine Wirtschafts- und Standortpolitik auf Kosten der GKV betreiben, sondern selbst Investitionen aus Steuermitteln zu tätigen. Zudem wurde jüngst vom BMG bestätigt, dass keine messbaren Spareffekte durch das GKV-Finanzmarktstabilisierungsgesetz bei Arzneimitteln realisiert werden konnten. Aus diesem Grund sind Maßnahmen erforderlich, die ab Markteinstieg zu angemessenen Preisen führen und mehr Wirtschaftlichkeitsreserven erschließen.
AOK fordert Maßnahmen für stabile Finanzen
Vor dem Hintergrund der steigenden Kosten fordert die AOK in ihrem Sofortprogramm nach der Bundestagswahl unter anderem eine Erhöhung des allgemeinen Herstellerabschlags für Arzneimittel. Die AOK schlägt 16 Prozent vor, was bis zu 1,8 Milliarden Euro einsparen könnte. Zudem soll der im AMNOG-Verfahren festgelegte Erstattungsbetrag nicht erst nach sechs Monaten, sondern sofort ab Markteinführung gelten, was weitere 50 bis 100 Millionen Euro einsparen könnte. Darüber hinaus setzt sich die AOK für Ausschreibungen bei bestimmten Medikamenten wie Impfstoffe ein, um durch Wettbewerb bessere Preise zu erzielen.
Richtige Balance finden

Für Isabella Erb-Herrmann, Vorstandsmitglied der AOK Hessen, ist wichtig zu betonen: „Auch in Zukunft braucht es eine Balance zwischen einer hochwertigen, sicheren und bezahlbaren Arzneimittelversorgung. Grundsätzlich sind neue Therapiemöglichkeiten, die sich durch die zunehmende Individualisierung der medizinischen Behandlungen ergeben, ein großer Fortschritt in Sachen Forschung und Entwicklung. Aber nur, wenn sie den Nutzennachweis erbringen. Damit wir nicht nur eines der teuersten Gesundheitssysteme Der Zugang aller Bürger zu einer umfassenden gesundheitlichen Versorgung unabhängig von ihrem… , sondern auch wieder eines der besten haben, müssen wir bestehende Strukturen überdenken. Vor allem müssen wir die Grundlagen für eine bessere Evidenzgenerierung bei neuen Arzneimitteln herstellen und deren Finanzierbarkeit stärker adressieren.“