Pressemitteilung

Bündnis ruft zur Darmkrebsvorsorge auf

26.02.2025 AOK NordWest 6 Min. Lesedauer

Koloskopie künftig auch für Frauen ab 50 Jahren möglich

Eine weibliche Patientin liegt auf der Liege eines Behandlungsraums für eine Darmspiegelung. Eine Assistentin legt ihr eine Blutdruckmanschette um den linken Oberarm an und der behandelnde Arzt begrüßt die Patientin per Handschlag. An der Hand sieht man den bereits gelegten Zugang.
Frühes Erkennen rettet Leben: Darmkrebs ist heilbar, wenn er in seiner Frühphase während einer Darmspiegelung erkannt wird.

Dortmund. Frühes Erkennen rettet Leben: Anlässlich des Darmkrebs-Monats März appellieren der Berufsverband Niedergelassener Gastroenterologen Deutschlands (bng), die NRW-Landesvertretung des Verbands der Ersatzkassen (vdek), die AOK NordWest, die Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) und die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) eindringlich an Versicherte, zur Vorsorge zu gehen. „Darmkrebs ist heilbar. Wird er in seiner Frühphase während einer Darmspiegelung erkannt, liegen die Heilungschancen bei nahezu 100 Prozent. Deshalb unsere gemeinsame Bitte: Nutzen Sie die Vorsorgeangebote!“ Zugleich weist das Gesundheitsbündnis auf eine anstehende Veränderung beim Darmkrebs-Screening-Programm hin.

„Trotz des positiven Trends bei der Inanspruchnahme der Darmkrebsfrüherkennung gibt es weiterhin noch erhebliches Steigerungspotenzial.“

Tom Ackermann

Vorstandsvorsitzender der AOK NordWest

Die Gefahr, an Darmkrebs zu erkranken, steigt mit zunehmendem Alter. Bei Männern liegt das Risiko höher als bei Frauen. Deshalb konnten Männer bereits ab 50 Jahren eine Darmspiegelung in Anspruch nehmen, welche  die gesetzliche Krankenversicherung In der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sind grundsätzlich alle Arbeiter und Angestellten… zahlt. Für Frauen galt dies bislang erst ab 55 Jahren. Allerdings hat der Gemeinsame Bundesausschuss – kurz G-BA (oberstes Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung im deutschen Gesundheitswesen Das Gesundheitswesen umfasst alle Einrichtungen, die die Gesundheit der Bevölkerung erhalten,… ) – Anfang des Jahres eine Vereinheitlichung beschlossen. Künftig können auch Frauen ab 50 Jahren die Vorsorgeuntersuchung in Anspruch nehmen.

Zudem hat der G-BA die Intervallvorgaben für die immunologischen Tests (iFOBT) auf nicht sichtbares Blut im Stuhl vereinheitlicht. Frauen und Männer, die im Früherkennungsprogramm keine Darmspiegelung wahrnehmen möchten, können ab 50 Jahren zukünftig alle zwei Jahre einen iFOB-Test machen. Die Änderung der entsprechenden Richtlinie tritt nach Bekanntmachung im Bundesanzeiger in Kraft, frühestens jedoch zum 1. April 2025. Ab diesem Zeitpunkt können Gastroenterologen ihren Patienten das entsprechende Vorsorge Für die medizinische Vorsorge und die Rehabilitation gilt der Grundsatz ambulant vor stationär – das… -Angebot machen. 

Dr. Ulrich Tappe, niedergelassener Gastroenterologe und erster Vorsitzender des bng: „Das Thema Vorsorge muss noch stärker im Bewusstsein der Menschen verankert werden. Vielen ist nach wie vor nicht bewusst, wie immens wichtig die Vorsorge gerade beim Thema Darmkrebs ist – sie kann am Ende des Tages Leben retten. Der G-BA-Beschluss ist da nur folgerichtig. Die Angleichung bei den Frauen und die damit verbundene einheitliche Früherkennungsstrategie war längst überfällig!“

Dr. Dirk Spelmeyer, Vorstandsvorsitzender der KVWL: „Vorsorge schützt das eigene Leben und die eigene Gesundheit in hohem Maße. Darmkrebs ist die zweithäufigste Krebserkrankung. Mehr als 50.000 Menschen erhalten jedes Jahr in Deutschland diese Diagnose. Früh erkannt ist Darmkrebs jedoch meist gut behandel- und heilbar. Die Inanspruchnahme der Koloskopie in Westfalen-Lippe steigt glücklicherweise wieder: Im Vergleich der Jahre 2022 und 2023 verzeichnen wir eine Zunahme von mehr als sieben Prozent. Den Rückgang während der Coronazeit haben wir anscheinend überwunden. Trotzdem dürfen wir bei unseren sämtlichen Vorsorge-Bemühungen nicht nachlassen, um das Thema immer wieder bewusst zu machen und schwere Krankheitsverläufe verhindern zu können.“

Dr. Hans-Albert Gehle, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe: „Leider sind zu viele Menschen immer noch Vorsorge-Muffel. Dabei könnten sie von einer frühzeitigen Erkennung des Krebses enorm profitieren. Denn wird ein Darmkrebs rechtzeitig erkannt, kann das Leben von vielen Erkrankten gerettet werden. Deshalb ist die regelmäßige Früherkennungs-Untersuchung eine Pflicht gegenüber dem eigenen Leben.“

Dirk Ruiss, Leiter der vdek-Landesvertretung Nordrhein-Westfalen: „Vorsorge wirkt! Ein Termin zur Darmkrebs-Vorsorge schafft Sicherheit und erhöht bei einem positiven Befund die Chance auf Genesung beträchtlich. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko einer Darmkrebserkrankung, daher ist es sehr zu begrüßen, dass unabhängig vom Geschlecht eine Darmspiegelung als Vorsorgeuntersuchung zukünftig ab 50 Jahren in Anspruch genommen werden kann. Die Krankenkassen Die 97 Krankenkassen (Stand: 26.01.22) in der gesetzlichen Krankenversicherung verteilen sich auf… übernehmen die Kosten, damit eine Erkrankung möglichst früh entdeckt und behandelt werden kann.“

Tom Ackermann, Vorsitzender des Vorstandes der AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… NordWest, freut sich, dass die Inanspruchnahme der Krebs-Früherkennungsuntersuchungen in Westfalen-Lippe nach der Corona-Pandemie wieder angestiegen ist. Das gilt auch bei der Darmkrebsvorsorge. Im Vergleich zum Jahr 2019 war in 2023 bei der Teilnahme an Koloskopien zur Darmkrebsvorsorge ein Plus von 10,5 Prozent zu verzeichnen. „Die steigenden Zahlen sind erfreulich. Offenbar haben die vielen Hinweise etwas gebracht und die Menschen motiviert, die Chance der Krebsvorsorge wieder mehr zu nutzen. Doch trotz des positiven Trends gibt es bei sämtlichen Krebsvorsorgeuntersuchungen auch weiterhin noch erhebliches Steigerungspotenzial.“

Zwei Frauen, eine Botschaft: „Geht zum Arzt!“

Darmkrebs-Monat März: Simone Menkhaus und Daniela Onken haben den Darmkrebs besiegt – mit ihrer Geschichte werben sie für die Vorsorge

Dortmund/Herbern. „Sie haben Darmkrebs.“ Es sind Momente, da steht die Welt für einen Augenblick lang still. Momente, die Simone Menkhaus (52) und Daniela Onken (54) aus Herbern nie vergessen werden. Heute, Jahre später, sind die beiden krebsfrei, dürfen sich als geheilt bezeichnen. Mit ihrer Geschichte möchten die Freundinnen für die Angebote der Vorsorge werben.

Winter 2017: Der Hausarzt von Daniela Onken verlässt den Ort, sie wechselt zu einem neuen Arzt Die ärztliche Berufsausübung, die Ausübung der Heilkunde, setzt nach der Bundesärzteordnung eine… . Seit längerer Zeit beschäftigen sie Schilddrüsenprobleme. Der neue Hausarzt veranlasst ein großes Blutbild. Die Eisenwerte sind schlecht. Tabletten erzielen nicht die gewünschte Wirkung. Zur weiteren Abklärung erfolgt am 18. Dezember eine Magen- und Darmspiegelung. Kurz vor Weihnachten die niederschmetternde Diagnose: Darmkrebs. „Ich war kurz geschockt. Aber die Ärztin hat sofort Optimismus verbreitet. Denn bei Darmkrebs bestehen gute Heilungschancen, wenn er frühzeitig erkannt wird.“ Zwischen den Jahren folgt die Operation. Ein bösartiger Tumor und 39 Lymphknoten werden entfernt. Danach beginnt die Chemotherapie. Insgesamt sind es zwölf Durchgänge.

Sommer 2018: Seit längerer Zeit plagen Simone Menkhaus Magenschmerzen. Mal stärker, mal weniger stark. „Zunächst denkt man sich ja nichts dabei, jeder hat ja mal Magenpiene...“ Irgendwann werden die Schmerzen so stark, dass Simone Menkhaus ihre Hausärztin aufsucht. Eine Ultraschall-Untersuchung bleibt zunächst unauffällig. Die Schmerzen wollen nicht nachlassen. Wenige Wochen später erfolgt eine Blutkontrolle. Am Tag danach klingelt das Telefon. Die Blutwerte sind schlecht, es folgt die Krankenhaus Krankenhäuser sind Einrichtungen der stationären Versorgung, deren Kern die Akut- beziehungsweise… -Einweisung. „Ich habe mir da noch keine ernsthaften Gedanken gemacht.“ In der Klinik dann weitere Untersuchungen. Zunächst ohne Befund. In der Nacht vor der geplanten Darmspiegelung werden die Schmerzen unerträglich. Eine CT am nächsten Morgen bringt Gewissheit. „Der Arzt hat gesagt, dass sie sofort operieren müssen. Schmuck ablegen, Handy aus. Los geht‘s.“ Am Mittag wacht Simone Menkhaus auf der Intensivstation auf. Ein Stück des Darms und diverse Abszesse mussten entfernt werden. „Die Ärzte meinten später zu mir, ich hätte keine zwei Tage später kommen dürfen. Sonst wäre ich heute nicht mehr da.“ Weitere Operationen und Chemotherapien folgen. Ein halbes Jahr lang muss Simone Menkhaus mit einem künstlichen Darmausgang leben. Sie tauft ihren Stomabeutel „Seppi“. „Ich weiß gar nicht mehr, wie ich auf diesen Namen gekommen bin. Aber man muss gewisse Dinge einfach mit Galgenhumor nehmen.

Man muss den Kopf hochnehmen und weitermachen, immer nach vorne schauen.“ Nach sechs Monaten kann sie Abschied nehmen von „Seppi“. Lachende Heliumballons lassen ihn gen Himmel davonfliegen. Wieder so ein Moment. „Ich werde diesen Tag nie vergessen. Von dort an ging es nur noch aufwärts.“

Während ihrer Behandlungen können sich Daniela Onken und Simone Menkhaus zu einhundert Prozent auf ihr privates Umfeld verlassen. Familie, Freunde, Arbeitgeber unterstützten sie nach Kräften. „Man muss sich kurz schütteln und dann den Kampf annehmen. Aufgeben ist ja keine Option“, sagt Simone Menkhaus und lacht. Die gemeinsame Krankheitsgeschichte hat die beiden Frauen zusammengebracht, dabei stellten sie schnell fest, dass sie eine gemeinsame Leidenschaft haben: Schalke 04. „Wir sind beide im Herberner Fanclub und fahren hin und wieder auch zu den Spielen“, sagt Daniela Onken.

Eine andere Sache ist den beiden aber noch wichtiger. „Wir möchten mit unserer Geschichte einen Teil dazu beitragen, dass noch viel mehr Menschen die Angebote zur Versorgung nutzen. Eine Darmspiegelung tut nicht weh. Um es deutlich zu sagen: Runter vom Sofa und geht zum Arzt! Denn Vorsorge kann Leben retten.“ -DM

INFO
Weitere Informationen zur Darmkrebsvorsorge und zum Darmkrebs-Monat März finden Sie im Internet unter: kvwl.de/darmkrebs

3 passende Downloads

  • Gemeinsame Pressemitteilung vom 26.02.2025 als PDF

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  • Gemeinsame Pressemitteilung (Botschaft) vom 26.02.2025 als PDF

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  • Foto: Darmkrebs in Westfalen-Lippe

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Pressesprecher

Jens Kuschel

AOK NordWest