Diabetes-Gesellschaft fordert mehr Vorbeugemedizin
Vor der Bundestagswahl macht sich die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) für eine Präventionswende stark. „Wir müssen weg von der Reparaturmedizin hin zu einer präventiven, vorsorgenden Medizin“, sagte DDG-Chef Andreas Fritsche auf der Jahrespressekonferenz der Fachgesellschaft. Deutschland gebe jährlich 500 Milliarden Euro für Gesundheit aus. Diese Summe könne nicht ewig gesteigert werden. „Wir müssen das Geld besser ausgeben“, mahnte Fritsche und verwies auf das derzeitige Minus der gesetzliche Krankenkassen von rund sechs Milliarden Euro. „Wir können uns es einfach nicht mehr leisten, nichts zu tun“, betonte auch DDG-Geschäftsführerin Barbara Bitzer.
Aktuell leben laut DDG rund neun Millionen Menschen in Deutschland mit Diabetes. Fast drei Millionen von ihnen würden im Jahr stationär behandelt. „Hier müssen wir ran, auch aus finanziellen Aspekten“, sagte Fritsche. Eine Stärkung der Diabetologie in Klinik und Praxis nutze den Patienten und vermeide Krankheitsfolgen wie Amputationen oder Herz-Kreislauf-Leiden.
Allerdings fehlten immer mehr Fachkräfte, um eine gute Versorgung sicherzustellen. Die geplante Klinikreform könnte Fritsche zufolge die Lage verschärfen. Es bestehe die Gefahr, dass spezialisierte Diabeteszentren in Krankenhäusern wegfielen, weil sie sich nicht in die vorgesehenen Leistungsgruppen einfügten, warnte der Tübinger Diabetologe. Die Versorgung von Patienten in spezialisierten Zentren führe nachweislich zu weniger Krankenhaustagen, Wiederaufnahmen und Komplikationen.
Bei der Abstimmung am kommenden Sonntag hätten die Wähler auch „ein bisschen die Wahl darüber, welchen Stellenwert die Präventionspolitik einnehmen wird“, sagte Bitzer. Bislang sei „nicht allzuviel passiert“, um Volkskrankheiten wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen einzudämmen. Bitzer, die auch Sprecherin der Deutschen Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (Dank) ist, übte Kritik an der scheidenden Regierung. „Wir haben trotz aller politischen Debatten um die Zuckersteuer und das Kinderlebensmittel-Werbegesetz viel Zeit verloren.“
Es könne nicht mehr weiter auf „freiwillige, wirkungslose Maßnahmen und Appelle“ gesetzt werden. „Damit allein ist dieser Tsunami nicht aufzuhalten.“ Als konkrete Schritte forderte die DDG eine Mehrwertsteuerbefreiung für gesunde Lebensmittel, die Besteuerung zuckerhaltiger Getränke, ein Verbot von Kinderwerbung für ungesunde Lebensmittel und eine verbindliche Nutri-Score-Kennzeichnung auf allen Lebensmitteln. (at)