Gesundheitshandwerker warnen vor Versorgungs-Engpässen
Die Gesundheitshandwerker fordern mehr Kompetenzen bei der Versorgung von Patienten. Zusätzliche Aufgaben könnten die Attraktivität der Berufe steigern und gleichzeitig Ärztinnen und Ärzte entlasten, heißt es im „Branchenreport der Gesundheitshandwerke 2025“, der heute in Berlin vorgestellt wurde. Schon jetzt würden etwa Hörakustiker die Nachsorge bei Cochlea-Implantaten übernehmen und so die transplantierenden Kliniken entlasten. Mit jährlich 24 Millionen an Hilfsmittelversorgungen leiste die gesamte Branche einen wichtigen Beitrag für die gesetzlich Versicherten, betonte der Chef der Bundesinnung der Hörakustiker, Eberhard Schmidt. Zugleich zeigte sich die Branche besorgt über die Personalentwicklung.
Im ersten gemeinsamen Branchenreport der fünf Gesundheitshandwerke aus Augenoptikern, Hörakustikern, Orthopädieschuhtechnikern, Orthopädietechnikern und Zahntechnikern zeigt sich die Branche besorgt über die Personalentwicklung. Noch sei die Versorgung der gesetzlich Versicherten gesichert, heißt es im Bericht. Doch wenn sich der Trend zu immer weniger Fachkräften auf dem Arbeitsmarkt fortsetze, stehe die Hilfsmittel- und Zahnersatzversorgung angesichts steigenden Patientenzahlen vor dem Aus.
Teile der Gesundheitshandwerke zählten bereits jetzt zu den sogenannten Engpassberufen. Momentan seien rund 191.000 Menschen in diesen Handwerksberufen beschäftigt. Schwierigkeiten bereite schon jetzt die Nachwuchsgewinnung, besonders in ländlichen Gebieten. Nach aktuellem Stand fehlten pro Jahr 100.000 junge Menschen in der Ausbildung. Daher würden ab 2036 alle der rund 35.000 Betriebe und Unternehmen der Branche mit Personalproblemen zu kämpfen haben.
Zudem sehen die Handwerker die Attraktivität ihres Berufes zunehmend durch ein Übermaß an Bürokratie gefährdet. „Statt Patienten zu versorgen, kämpfen wir mit Papierbergen“, klagte der Chef des Bundesinnungsverbands für Orthopädie-Technik, Alf Reuter. Etwa 60 Prozent der Arbeitszeit würden inzwischen von Dokumentation und Verwaltung aufgezehrt. „Wir verbrennen Beitragsgelder“, kritisierte Reuter. Auch aufgrund dieser Belastung würden der Branche Arbeitskräfte verloren gehen.
Der Chef des Zentralverbands der Augenoptiker und Optometristen, Christian Müller, verwies auf eine Umfrage, wonach ein Drittel der inhabergeführten Augenoptiker-Betriebe überlegten, nicht mehr an der Versorgung gesetzlich Versicherter teilzunehmen. Dies sei alarmierend, weil gerade auf dem Lande, wo bereits Ärztemangel herrsche, die Gesundheitshandwerker auch Präventionsaufgaben übernehmen würden. Statt die Branche weiter mit unsinnigen Auflagen zu belegen, sollte sie „mit in die Verantwortung“ genommen werden, sagte Müller. (at)
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