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Ärzte stoßen neue Debatte um Terminschwänzer-Gebühr an

01.04.2025 2:30 Min. Lesedauer

Die Kassenärzte fordern eine Ausfallgebühr für nicht wahrgenommene Praxistermine. „Die Termine sind geblockt und stehen dann für andere Patienten nicht zur Verfügung“, sagte der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, heute zu G+G. Er sprach sich für eine Gebühr zwischen mindestens 25 bis 35 Euro aus, die die Krankenkassen entrichten sollen. „Eine sogenannte No-Show-Gebühr in Höhe von zehn bis 20 Euro“ sei heutzutage in fast allen Lebensbereichen üblich“, hatte Gassen den Vorstoß zuvor in der „Bild“ begründet. Der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) hält sogar eine Ausfallgebühr von bis zu 100 Euro für sinnvoll. Widerspruch kam von den Kassen.

Laut Angaben der KBV werden mittlerweile zehn bis 20 Prozent der Arzttermine nicht mehr wahrgenommen. „Es ist nicht mehr zu akzeptieren, dass Patienten Termine verbindlich vereinbaren und diese nicht wahrnehmen“, sagte BVKJ-Chef Jakob Maske der „Bild“. Ein Ausfallhonorar von bis zu 100 Euro, je nach Länge des vorgesehenen Termins, sei erforderlich. Der Vorstand des Deutschen Fachärzteverbandes, Uwe Kraffel, sagte zu G+G, im Schnitt fielen 30 Prozent der über die Terminservicestellen vereinbarten Termine aus. In der Praxis seien dies mehrere Termine pro Tag.

Ablehnend äußerten sich die Kassen. Der Unmut der Praxen sei zwar „nachvollziehbar“, sagte AOK-Bundesverbandssprecher Kai Behrens zu G+G, denn Termine würden oft Wochen und Monate im Voraus vergeben und könnten kurzfristig nicht auf andere Patienten übertragen werden. Doch um die Termintreue der Patienten zu verbessern, sei der Einsatz von elektronischen Erinnerungsservices durch die Arztpraxen „der bessere Weg“. Diese würden schon heute in vielen Praxen mit Erfolg eingesetzt. Außerdem müsse die Koordination und Steuerung in der ambulant-ärztlichen Versorgung insgesamt verbessert werden. Auch der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV-SV) wies die Forderungen der Ärzte zurück. Bayerns CSU-Fraktionschef Klaus Holetschek bezeichnete dagegen die Gebühr bei Nicht-Erscheinen in der „Bild“ als einen „Vorschlag, über den man nachdenken kann“.

Die neue Gebühren-Debatte während der schwarz-roten Koalitionsverhandlungen folgt auf den Vorstoß der angehenden Koalitionäre für ein Primärarztsystem. Dies sieht vor, den Zugang zum Facharzt über eine verpflichtende Überweisung durch den Hausarzt zu steuern, um so mehr Termine und bessere Versorgung zu schaffen. Der Chef der Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, kritisierte, die Pläne weckten „falsche Hoffnungen“. Mit der Einführung eines Primärarztsystems müsse jede Hausarztpraxis zusätzlich 2.000 Patienten betreuen, sagte er dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (RND). (at)